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Jung, attraktiv und hartnäckig

Berlin. Kurz vor Jahresende hat Manuela Schwesig doch noch ihr Ziel erreicht: Die Regierung hat die Frauenquote für Führungsgremien beschlossen. Im Bundestag wird der Gesetzentwurf sicher noch einmal für hitzige Debatten sorgen. Stefan Vetter

Ganz in schwarz-rot steht Manuela Schwesig am Donnerstagvormittag in der Bundespressekonferenz und genießt das Klicken der Kameras. Politisch geradezu penetrant korrekt, die Farben ihres Kleides. Dabei weiß die 40-jährige Familienministerin von der SPD natürlich ganz genau, dass es beim Thema des Tages alles anders als harmonisch zwischen ihrer Partei und der Union zugegangen war: Die Frauenquote ist ein politischer Spaltpilz. In der vergangenen Wahlperiode waren darüber sogar zwei Spitzenfrauen aus der CDU aneinander geraten. Schwesigs Amtsvorgängerin Kristina Schröder schwebten freiwillige Selbstverpflichtungen vor, die sogenannte Flexiquote, während sich Arbeitsministerin Ursula von der Leyen für eine feste Quote starkmachte.

Die jetzt von der schwarz-roten Bundesregierung auf den Weg gebrachte Regelung ist ein Mix aus den Vorstellungen Schröders und von der Leyens. Er enthält so betrachtet auch mehr CDU als SPD . Denn die Genossen hätten am liebsten ausschließlich quotiert. Und das auch noch viel höher und für deutlich mehr Jobs in den Chefetagen. Aber das schmälert den Triumph von Schwesig nicht. Schließlich wird die Frauenquote jetzt zum Gesetz. Das ist es, was politisch zählt. "Ich bin überzeugt, dass damit ein Kulturwandel in der Arbeitswelt eingeleitet wird", strahlt Schwesig.

Womöglich hätte dieser Kulturwandel noch länger warten müssen, wäre da nicht in letzter Minute die politische Ungeschicklichkeit eines Mannes gewesen: Als der koalitionsinterne Streit um die Quote immer weiter hoch kochte, schimpfte CDU-Fraktionschef Volker Kauder , Schwesig solle "nicht so weinerlich sein". Das löste eine breite Welle der Empörung gegen Kauder und der Solidarität mit der Ministerin aus. Man darf getrost annehmen, dass der Vorgang wie ein Katalysator für die schwarz-rote Einigung wirkte. Zumal sich Kanzlerin Angela Merkel bei Schwesig für die nicht eben frauenfreundlichen Worte entschuldigte. Die Gescholtene ist jedoch hart im Nehmen: "Solche Sprüche perlen an mir ab."