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Kabinett berät über Kompromiss
Problemwölfe sollen ein wenig leichter bejagt werden dürfen

 400 Wölfe leben laut Umweltministerium in Deutschland.
400 Wölfe leben laut Umweltministerium in Deutschland. FOTO: dpa / Alexander Heinl
Berlin. Das Bundeskabinett will heute einen Gesetzentwurf beschließen. Viehhaltern geht der allerdings nicht weit genug. Auch Naturschützer sind unzufrieden. Von Werner Kolhoff

Nach einem Jahr Ringen gibt es in der großen Koalition eine Einigung über den Umgang mit dem Wolf. Heute soll das Bundeskabinett über einen Gesetzentwurf entscheiden. Das Abschießen von Wölfen mit problematischem Verhalten soll damit künftig erleichtert werden.

Die Regelung sieht vor, dass Wölfe geschossen werden können, wenn sie Nutztiere gerissen oder sich Menschen genähert haben. Im Gesetz wird ein „ernster Schaden“ für die Bestände von Weidetierhaltern als Maßstab genommen; bisher hatten Gerichte Abschussgenehmigungen erst bei „existenziellen“ Schäden passieren lassen. Als problematisch gilt, wenn ein Tier zwei Mal die empfohlene Schutzzaunhöhe von 1,20 Metern überwunden hat oder Menschen näher als 30 Meter gekommen ist. Geschossen werden dürfen auch andere Mitglieder des Rudels. So lange, bis der Vorfall nicht wieder vorkommt. Grund: Wölfe geben ihr „Wissen“ über Beutemöglichkeiten im Rudel weiter.

Im letzten Jahr hatte es zwei Abschussgenehmigungen gegen Problemwölfe gegeben. Experten rechnen damit, dass es auch mit dem neuen Bundesgesetz kaum mehr sein werden. Gesetzlich geregelt wird jetzt auch, dass Mischungen aus Wolf und Hund generell zum Abschuss freigegeben sind. Das Anlocken oder Füttern von Wölfen wird streng verboten.



Den Durchbruch für die Regelung hatte ein Spitzentreffen der beteiligten Ministerinnen Julia Klöckner (Agrar, CDU) und Svenja Schulze (Umwelt, SPD) mit Kanzleramtsminister Helge Braun (CDU) und Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) gegeben. Offenbar war eines der Ziele, den Konflikt aus den anstehenden Landtagswahlkämpfen im Osten herauszunehmen. Vor allem die AfD setzt sich dort für eine deutliche Verringerung der Wolfspopulation ein.

Im Umweltministerium ist von derzeit 73 Rudeln (mit im Schnitt fünf Tieren), 30 Paaren und fünf Einzeltieren die Rede. Das wären insgesamt rund 400 Tiere. Man kenne den Bestand sehr genau, hieß es. Wölfe unterlägen strengstem internationalem Artenschutz. Erst wenn ein „guter Erhaltungszustand“ der Art erreicht sei, könnten Abschüsse wesentlich leichter durchgeführt werden. Davon sei man weit entfernt. Jetzt müssten „Entnahmen“ auf strenge Ausnahmen begrenzt bleiben.

Außerhalb der Regierung stieß der Entwurf auf Kritik. „Die Richtung stimmt, aber für eine Koexistenz von Wolf und Weidetierhaltung reicht das noch nicht“, sagte der Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes, Bernhard Krüsken. In Regionen mit ausgeprägter Weidetierhaltung solle sich der Wolf gar nicht erst ansiedeln. Naturschützer zeigten sich ebenfalls unzufrieden mit den Plänen. Sie forderten mehr Unterstützung für Weidetierhalter und für den Schutz von Nutztieren. Bejagung sei „kein effektiver Herdenschutz“, hieß es beim Bund für Umwelt und Naturschutz.