| 22:50 Uhr

Interview Jan-Philipp Knoop
„Merkel hat es verlernt, auf die Leute zuzugehen“

Jan-Philipp Knoop ist einer von drei Gegenkandidaten von Angela Merkel beim CDU-Parteitag.
Jan-Philipp Knoop ist einer von drei Gegenkandidaten von Angela Merkel beim CDU-Parteitag.
Berlin. Der 26-jährige Jura-Student fordert die Kanzlerin Anfang Dezember auf dem CDU-Parteitag heraus. Dass er wirklich Vorsitzender wird, glaubt er aber nicht. Von Hagen Strauss

Er will Angela Merkel stürzen: Jan-Philipp Knoop, CDU-Mitglied aus Berlin, 26, Jura-Student. Auf dem Parteitag Anfang Dezember ist er einer von bisher drei eher unbekannten Gegenkandidaten der Kanzlerin. Ein Gespräch über Motivation, Chancen und darüber, wer Merkel tatsächlich beerben sollte.

Herr Knoop, steht Ihre Bewerbung um den CDU-Vorsitz noch?

KNOOP Von meiner Seite steht sie. Ich bin aber noch mit der CDU im Gespräch, wie wir weiter verfahren wollen.



Gibt es Probleme?

KNOOP Normalerweise wird man auf dem Parteitag von einem der rund 1000 Delegierten vorgeschlagen oder man geht für eine Vereinigung wie die Junge Union ins Rennen. Darauf will ich mich nicht verlassen. Ich bin auch kein Delegierter, will auch keiner werden. Der ganze Vorgang ist kurioserweise nicht klar geregelt. Meine Bewerbung habe ich daher schon mal im Konrad-Adenauer-Haus abgegeben. Jetzt warte ich auf eine erneute Antwort der Generalsekretärin. Ich gehe aber davon aus, dass meine Kandidatur zugelassen wird.

Feilen Sie schon an Ihrer Bewerbungsrede für den Parteitag?

KNOOP Ja. Ich bin mir auch relativ sicher, dass das eine runde Sache wird. Die Botschaft habe ich schon im Kopf, und bevor Sie fragen, ich werde sie noch nicht preisgeben.

Aber Ihnen ist schon klar, dass Sie chancenlos sind, oder?

KNOOP Ich weiß. Das frustriert mich aber nicht. Ich denke auch nicht an meine Person, sondern an unser Land. Auf jeden Fall setze ich ein Zeichen. Wenn ich damit andere innerhalb und außerhalb der Partei ermutige, wieder mehr miteinander zu reden, dann habe ich doch schon viel erreicht.

Was treibt Sie denn genau an – haben Sie Angst um die CDU?

KNOOP Umfragewerte wie 25 Prozent sind nicht vom Himmel gefallen. Wenn die Parteiführung also meint, so weitermachen zu müssen, werden wir uns in ein oder zwei Jahren an einen solchen Wert noch glücklich erinnern. Mir ist schon klar, dass die 60-Jährigen in der Partei nicht auf einen 26-Jährigen hören werden. Aber auch die Älteren müssen begreifen, dass die CDU sich verändern muss. Wir müssen wieder zurück zu unseren Werten. Darum geht es mir.

Was kritisieren Sie konkret an Frau Merkel?

KNOOP Mir fehlt die Nähe von Frau Merkel zur Bevölkerung. Es gab in letzter Zeit kaum Auftritte, bei denen sie mal persönlich den Leuten erklärt hat, wie sie gewisse Entwicklungen im Land sieht. Sie war zum Beispiel bis heute nicht in Chemnitz. Seit 18 Jahren ist sie Parteichefin und sie hat es verlernt, auf die Leute zuzugehen. Gerade in der Flüchtlingspolitik sieht Frau Merkel nicht mehr, was einige Menschen bewegt. Deshalb wandern viele zur AfD ab. Da muss die CDU endlich gegensteuern.

Wenn Sie nicht Nachfolger von Frau Merkel werden, wen würden Sie sich denn wünschen?

KNOOP Neben Frau Merkel und mir gibt es im Moment ja noch zwei andere Bewerber. Ich denke, dass für sie die Chancen ähnlich schlecht stehen wie für mich. Aber ein Generationswechsel vor der nächsten Bundestagswahl ist nötig. Von den Spitzenpolitikern auf Bundesebene wäre für mich Jens Spahn im Moment mein Wunsch-Vorsitzender. Allerdings nur, wenn ich es nicht werde.

Das Gespräch führte
Hagen Strauß