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Interims-Chefin der SPD
Malu Dreyer: „Wir vergeben keine Noten“

 Die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist zugleich Interims-Chefin  der SPD.
Die Mainzer Ministerpräsidentin Malu Dreyer ist zugleich Interims-Chefin der SPD. FOTO: dpa / Michael Kappeler
Mainz/Berlin. Die Interims-Vorsitzende der SPD, Malu Dreyer, will keine Empfehlung für die Wahl von Finanzminister Olaf Scholz zum neuen Parteichef abgeben. Es würden viele gute Kandidaten ins Rennen gehen, so die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin im Gespräch mit unserer Zeitung. Von Hagen Strauss

Vorwürfe, die Kandidatensuche würde nicht schnell genug gehen, wies Dreyer zurück. Von dieser Kritik lasse sich die Partei nicht verrückt machen.

Frau Dreyer, ist Olaf Scholz jetzt der große Favorit für den SPD-Vorsitz?

DREYER Ich habe immer gesagt, wir werden viele gute Kandidatinnen und Kandidaten für diese große und auch wunderbare Aufgabe bekommen.



Unterstützen Sie denn die Kandidatur des Finanzministers und Vizelkanzlers?

DREYER Unsere Mitglieder werden darüber entscheiden, wen der Parteivorstand auf dem Parteitag nominieren wird. Manuela Schwesig, Thorsten Schäfer-Gümbel und ich leiten als kommissarische Vorsitzende das Verfahren. Wir geben keine Wahlempfehlung ab und werden auch keine Noten für Kandidatinnen und Kandidaten vergeben.

Aber Hand aufs Herz – die Kandidatensuche bei der SPD ist doch bislang eher absurd verlaufen, oder?

DREYER Wenn wir sagen, dass wir mehr Demokratie wagen wollen bei der personellen Neuaufstellung der Partei, dann stehen wir auch dazu.

Vielleicht ist die SPD einfach nicht mehr wiederzubeleben. Wie sehen Sie das?

DREYER Die SPD ist eine stolze Partei, sie hat Verfolgung und Kriege überstanden, staatspolitische Verantwortung für unser Land in schwierigen Zeiten übernommen. Wir haben mehr Mitglieder als jede andere Partei und – das ist vielleicht der wichtigste Grund – wir werden gebraucht. Jetzt haben wir ein Verfahren, um einen neuen Parteivorstand zu besetzen, und vielen Beobachtern geht das nicht schnell genug. Ehrlich: Davon lassen wir uns nicht verrückt machen.