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CSU-Politiker provoziert
Neue Debatte über Gewalt durch Migranten

  Joachim  Herrmann (CSU) sieht kulturelle  Unterschiede beim Thema  Gewalt.   Foto: Schmidt/dpa
Joachim Herrmann (CSU) sieht kulturelle Unterschiede beim Thema Gewalt. Foto: Schmidt/dpa FOTO: dpa / Hendrik Schmidt
München. Für Aussagen über die Gewaltbereitschaft von Migranten erntet Bayerns Innenminister Herrmann Kritik. dpa/afp

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hat neu eingereisten Migranten ein erhöhtes Gewaltpotenzial unterstellt und sich damit massive Kritik von SPD, Linkspartei und Grünen eingehandelt. Es sei unbestreitbar, dass neue Migranten überproportional an Gewalttaten beteiligt seien, sagte Herrmann am Montag. „Einerseits müssen wir ganz klar jeder ausländerfeindlichen Hetze entgegentreten, aber auf der anderen Seite auch nicht blauäugig sein“, sagte der CSU-Politiker – „im Hinblick darauf, dass hier eben Menschen aus anderen Kulturkreisen zu uns kommen, die dieses erfreuliche hohe Maß an Gewaltlosigkeit, wie wir das gerade in unserem Land über einen langjährigen, jahrhundertelangen Prozess erreicht haben, so nicht gewohnt sind.“ Er reagierte damit auf eine Frage nach den Aufsehen erregenden Gewalttaten der vergangenen Tage: die tödliche Attacke vom Frankfurter Hauptbahnhof und der Schwertangriff von Stuttgart. In beiden Fällen sind Migranten tatverdächtig.

Linken-Parteichef Bernd Riexinger kritisierte Herrmanns Aussagen als „migrationsfeindliche Tiraden“. Der SPD-Bundestagsabgeordnete Mahmut Özdemir warf Herrmann vor, einen Sündenbock zu suchen, statt über „die eigenen Versäumnisse zu reden“. Grünen-Fraktionsvize Konstantin von Notz nannte Herrmanns Aussage „schlicht unwürdig“.

Ein Lagebild des Bundeskriminalamts beschäftigte sich 2018 mit Kriminalität im Kontext von Zuwanderung. Ein Ergebnis: Bei bestimmten Gewaltdelikten sind tatsächlich überproportional häufig Zuwanderer unter den Tatverdächtigen, etwa bei Straftaten gegen das Leben, Körperverletzung und Raubstraftaten sowie Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung. Zugleich zeigt das Lagebild: Junge Männer zwischen 14 und 30 Jahren sind, unabhängig von ihrer Herkunft, diejenigen, die am häufigsten an Gewaltkriminalität beteiligt sind. Diese Gruppe ist unter den Zuwanderern deutlich größer als bei der deutschen Bevölkerung.