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Rentenbericht
Rosige Zeiten bei der Rente, die vorerst auch so bleiben

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können auch in den kommenden Jahren mit steigenden Altersbezügen rechnen.
Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können auch in den kommenden Jahren mit steigenden Altersbezügen rechnen. FOTO: dpa / Sebastian Gollnow
Berlin. Das Kabinett verabschiedet den Rentenbericht, der steigende Bezüge und stabile Beiträge vorsieht. Unterdessen nimmt auch die Zahl der Arbeitnehmer über 60 zu. Von Stefan Vetter

Die rund 21 Millionen Rentner in Deutschland können auch in den kommenden Jahren mit spürbaren Zuwächsen bei ihren gesetzlichen Altersbezügen rechnen. Gleichzeitig haben immer mehr Ältere eine versicherungspflichtige Beschäftigung. Das geht aus dem neuen Rentenversicherungsbericht und einer Zwischenbilanz zur schrittweisen Einführung der Rente mit 67 hervor. Beide wurden gestern vom Bundeskabinett verabschiedet. Ein Überblick:

Wer erhält wie viel Rente?



Laut Bericht betrug die monatliche Versichertenrente für Männer Mitte 2017 durchschnittlich 1083 Euro. In den neuen Ländern war es mit 1151 Euro etwas mehr als in den alten (1067 Euro). Deutlich größer ist der Unterschied bei Frauen. Im Osten kamen sie auf eine monatliche Rente von 918 Euro, im Westen nur auf 628 Euro. Die Differenz resultiert aus den unterschiedlichen Erwerbsbiografien. Frauen in den neuen Bundesländern haben im Schnitt deutlich mehr Jahre gearbeitet.

Wie entwickelt sich die Rente?

Zum 1. Juli 2019 wird mit einer Rentenerhöhung von 3,18 Prozent im Westen und 3,91 im Osten gerechnet. Die genauen Zahlen stehen erst im Frühjahr fest, wenn die Daten zur Lohnentwicklung komplett vorliegen. Erst im Juli hatte es einen Anstieg in ähnlicher Höhe gegeben.

Was ist längerfristig zu erwarten?

Nach den Modellrechnungen der Bundesregierung steigen die Renten bis zum Jahr 2032 um insgesamt rund 38 Prozent. Das sind durchschnittlich 2,5 Prozent pro Jahr. Das Rentenniveau liegt gegenwärtig bei 48,1 Prozent. Aufgrund einer gesetzlichen „Haltelinie“ soll es bis zum Jahr 2025 nicht unter 48 Prozent sinken. Danach geht das Sicherungsniveau bis zum Jahr 2030 schrittweise auf knapp 45 Prozent zurück.

Wie hoch ist das Gesamteinkommen?

Die gesetzliche Rente allein sagt wenig über die Lebensverhältnisse der Senioren aus. Berücksichtigt man weitere Einkünfte wie etwa Betriebsrenten, ändert sich das Bild. Die dazu aktuell verfügbaren Daten sind allerdings schon drei Jahre alt. Demnach verfügten westdeutsche Ehepaare mit einer Bezugsperson ab 65 Jahre im Jahr 2015 über ein monatliches Nettoeinkommen von 2572 Euro. Alleinstehende Rentnerinnen im Westen kamen im Schnitt auf monatlich 1422 Euro. In den neuen Ländern lagen die Vergleichszahlen bei 2257 Euro beziehungsweise 1370 Euro. Ermittelt wurden die Daten vom Institut TNS Infratest Sozialforschung im Auftrag der Bundesregierung.

Was ist beim Rentenbeitrag zu erwarten?

Wegen der guten Wirtschaftslage wird bis Ende des Jahres mit einem Anstieg der Reserven in der Rentenkasse auf rund 38 Milliarden Euro gerechnet. Ende 2017 waren es 33,4 Milliarden, was bereits mehr als 1,6 Monatsausgaben der Rentenversicherung entsprach. Trotz weiterer Leistungsverbesserungen (zum Beispiel bei der Mütterrente) kann der Rentenbeitrag beim aktuellen Wert von 18,6 Prozent bis zum Jahr 2023 stabil bleiben. Danach wird aber ein deutlicher Anstieg erwartet. Bis 2025 sorgt zwar auch hier eine „Haltelinie“ dafür, dass es nicht mehr als 20 Prozent werden. Für 2032 wird aber schon ein Beitragssatz von 22,5 Prozent prognostiziert.

Wie viele Ältere arbeiten?

Im Zuge der schrittweisen Anhebung des Renteneintrittsalters auf 67 muss die Bundesregierung regelmäßig über die Erwerbsbeteiligung der Älteren informieren. Demnach steigen die Zahlen. So hat sich die Erwerbstätigenquote der 60- bis 64-Jährigen seit dem Jahr 2000 von 20 auf aktuell über 58 Prozent erhöht – und damit so stark wie in keinem anderen EU-Land. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten dieser Gruppe ist im gleichen Zeitraum um rund 1,5 Millionen auf 2,1 Millionen gestiegen. Die Arbeitslosenquote der Gruppe lag 2017 bei 6,6 Prozent. Die Quote insgesamt betrug 5,7 Prozent.