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Wahl-Countdown läuft
Landtagswahl in Hessen oder: Neuer Stresstest für die Groko

Wiesbaden. Zwei Wochen nach dem Bayern-Beben wird es in Hessen spannend. 4,38 Millionen Männer und Frauen wählen am Sonntag einen neuen Landtag. Entscheidet sich an diesem Tag auch die Zukunft der Groko im Bund? dpa/kes

Spekuliert wird viel. Hier die wichtigsten Fakten zum Hessen-Wahl-ABC:

A wie AfD: Die Partei könnte zum großen Gewinner der Landtagswahl werden und damit erstmals in den Parlamenten aller 16 Bundesländer vertreten sein. 2013 scheiterte die Partei noch an der Fünf-Prozent-Hürde, diesmal sehen sie Umfragen als viertstärkste Kraft.



C wie CDU: Bei der Landtagswahl vor fünf Jahren war die CDU mit 38,3 Prozent stärkste Kraft geworden. Auf Platz eins dürfte sie laut Umfragen bleiben – aber mit deutlichen Verlusten. Für eine Fortsetzung der schwarz-grünen Koalition reicht es demnach wohl nicht mehr.

G wie Grüne: Die Grünen wurden 2013 mit 11,1 Prozent drittstärkste Kraft. Sondierungsgespräche mit SPD und Linken für ein rot-grün-rotes Bündnis scheiterten – die Grünen traten in eine Koalition mit der CDU ein. Diesmal winkt ihnen laut Umfragen ein Rekord-Ergebnis – mit neuen Regierungsoptionen.

G wie Groko: Die Hessen-Wahl gilt nach der Bayern-Wahl vor zwei Wochen als Stresstest für die Groko. Sollte es die nächste Schlappe für die SPD geben, könnte sie auch die Groko im Bund platzen lassen, wird spekuliert. SPD-Chefin Andrea Nahles erklärte zwar zuletzt, für sie sei Hessen „keine Schicksalswahl“. Auf die Frage, ob die Groko auch über Hessen hinaus Bestand haben werde, sagte sie indes: „Ich kann überhaupt nichts garantieren, aber wenn ich jetzt darauf wetten würde, würde ich sagen: Ja.“ CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt warnte die SPD gestern davor, die große Koalition platzen zu lassen.

K wie Kramp-Karrenbauer: Im Falle eines Groko-Bruchs in Folge der Hessen-Wahl rechnet CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer mit einer raschen Neuwahl im Bund. „Sollte diese Regierung jetzt auseinanderbrechen, wird es auf Neuwahlen herauslaufen“, sagte sie gestern bei einem Wahlkampfauftritt in Frankfurt. Die Lage der drei Regierungsparteien CDU, CSU und SPD sei angespannt.

M wie Ministerpräsident: Volker Bouffier (CDU) übernahm das Amt des Regierungschefs 2010 von seinem Parteifreund Roland Koch. Ob er es behalten kann, ist offen.

S wie SPD: Die SPD erzielte beim letzten Mal 30,7 Prozent, sieben Prozentpunkte mehr als 2009. Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel unternimmt am Sonntag den dritten Versuch, Ministerpräsident in Hessen zu werden. Ausgang offen.

U wie Umfrage: Herbe Verluste für CDU und SPD sieht die jüngste Wahl-Umfrage von gestern voraus. Die Civey-Befragung kommt auf 27 Prozent für die CDU, 22 für die SPD, 18,5 für die Grünen. Die AfD landet demnach bei 13, die Linke bei acht, die FDP bei 7,5 Prozent. Fazit: Für Schwarz-Grün würde es nicht reichen, für eine Groko (CDU und SPD) nur knapp. Rechnerisch möglich wären ein Jamaika-Bündnis aus CDU, Grünen und FDP, Rot-Grün-Rot oder eine Ampel aus SPD, Grünen und FDP.

V wie Volksabstimmung: Bei der Landtagswahl am Sonntag entscheiden die Bürger auch über eine Verfassungsreform – mit einer Volksabstimmung. Unter anderem soll die ohnehin schon durch das Grundgesetz außer Kraft gesetzte, aber noch in der Landesverfassung verankerte Todesstrafe abgeschafft werden. Es geht bei dem Votum aber auch um eine Stärkung von Ehrenamt und Kinderrechten.