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Hälfte der Eltern schlägt ihre Kinder immer noch

Berlin. Ein Schlag auf den Po oder eine schallende Ohrfeige: Nach einer gestern veröffentlichten repräsentativen Forsa-Umfrage rutscht rund der Hälfte der Eltern in Deutschland bei der Erziehung noch immer die Hand aus. Anders als früher schlagen die meisten Mütter oder Väter aber nicht aus Überzeugung zu, sondern aus Hilflosigkeit. Viele Eltern plagt danach das Gewissen

Berlin. Ein Schlag auf den Po oder eine schallende Ohrfeige: Nach einer gestern veröffentlichten repräsentativen Forsa-Umfrage rutscht rund der Hälfte der Eltern in Deutschland bei der Erziehung noch immer die Hand aus. Anders als früher schlagen die meisten Mütter oder Väter aber nicht aus Überzeugung zu, sondern aus Hilflosigkeit. Viele Eltern plagt danach das Gewissen."Eltern schlagen heute fast immer aus Stress und Hilflosigkeit, aber kaum noch, weil sie glauben, ihrem Kind damit etwas Gutes zu tun", sagt Gewaltforscher Kai Bussmann, Professor für Strafrecht an der Universität Halle. Seit dem Jahr 2000 hat das Bürgerliche Gesetzbuch für Deutschland deutliche Regeln festgeschrieben: "Kinder haben ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung." Nach Angaben des Deutschen Kinderschutzbundes stimmen diesem Grundsatz inzwischen auch über 90 Prozent der Eltern zu.

Doch erst ein gutes Drittel schaffe es, sich auch konsequent daran zu halten. Die Mehrheit greife zu leichten körperlichen Strafen von spürbarem Klaps bis Ohrfeige. Nur eine Minderheit von rund 14 Prozent erzieht nach einer Analyse der Kinderschützer noch mit einer Tracht Prügel - oder gar mit Stockschlägen.

In der neuen Umfrage für die Zeitschrift Eltern bekennen sich vier Prozent der Mütter und Väter zu harten Körperstrafen wie "Hintern versohlen". Vor fünf Jahren waren es noch sechs Prozent. Strafen wie ein Schlag auf den Po gingen um sechs Prozent, Ohrfeigen um ein Prozent zurück. Eine Rolle spielt aber immer auch das Leben der Eltern. Wer früher selbst geschlagen wurde, haut eher zu.



Nach der jüngsten Studie werden Jungen häufiger geschlagen als Mädchen, was forsa-Forscher als Nachwirkung traditioneller Rollenvorstellungen werten. In großen Familien verteilen Eltern deutlich mehr Ohrfeigen als bei Einzelkindern.

"Gesetze ändern das Bewusstsein", sagt Oliver Steinbach, Vize-Chefredakteur der Zeitschrift Eltern zu den Ergebnissen der Umfrage. Besonders positiv sei, dass es Eltern nach dem Schlagen ihrer Kinder nicht besser gehe, sondern eher schlechter. Viele entschuldigten sich inzwischen bei ihren Kindern. dpa