| 23:54 Uhr

Politisches Schauspiel auf der Insel
Großbritannien ist bei Fragestunden im Parlament Vorbild

London. Fragestunden wie gestern im Bundestag haben auf der Insel schon lange Tradition: Seit 1961 müssen sich alle britischen Regierungschefs mittwochs im Unterhaus den „Prime Minister‘s Questions“ stellen. Von Katrin Pribyl

Es handelt sich um eine Runde, in der der Premier auf die Fragen des Oppositionsführers sowie anderer Abgeordneten antworten muss. Der Ton im Parlament ist scharf, das Kreuzverhör lebhaft, die Konter rhetorisch verpackt – ein Schauspiel auf politischer Bühne.

Die Abgeordneten nehmen wie in einer mittelalterlichen Arena einander gegenüber Platz. Und die amtierende Regierungschefin Theresa May tritt erst an ihr Rednerpult, wenn sie vom Sprecher des Hauses aufgerufen wird. Dieser sitzt fast wie ein Schiedsrichter erhöht zwischen den beiden, nach hinten aufsteigenden Reihen von Regierung und Opposition. Zwei rote Linien im Teppich trennen die Opponenten auf ihren grünen Bänken, die genau zwei Schwertlängen voneinander entfernt liegen. Sie sind ein Relikt aus alten Zeiten, als die Striche blutige Gefechte verhindern sollte.

Wie alle Parlamentarier richtet May ihre Worte nicht direkt an das Plenum, sondern stets an den Parlaments-Sprecher. Auf Beobachter vom Kontinent wirkt die Fragerunde ein bisschen altmodisch, schrullig und exzentrisch, unterhaltend aber ist sie allemal. Seit 1989 wird der wöchentliche Schlagabtausch, der eine halbe Stunde dauert, auch im Fernsehen übertragen.