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Vorreiterkommunen
Gratis-Busfahrten für alle? Zwei Kleinstädte fahren voran

Monheim. (dpa) So wirklich gefragt sind die Busse der Vorreiterkommune bisher nicht. Zwar sind mehr Fahrzeuge als früher in Monheim unterwegs, ihre Fahrtstrecke hat sich seit 2012 von 1,4 auf 2,1 Millionen Kilometer pro Jahr erhöht.

Und trotzdem stagniere die Passagierzahl, sagt Bürgermeister Daniel Zimmermann. Im Schnitt sitzen also weniger Menschen in einem Bus als früher.

Das soll sich jetzt allerdings ändern: Ab spätestens April 2020 sollen die Monheimer kostenlos fahren. Das entschied der Stadtrat von Monheim, der von Zimmermanns lokaler Partei Peto dominiert wird, am Mittwochabend einstimmig. Damit hat die Stadt in Nordrhein-Westfalen eine Vorreiterrolle beim Gratis-Nahverkehr.

Ganz neu ist das aber nicht. 1998 führte die Brandenburger Stadt Templin dies bereits ein, die Fahrgastzahlen schnellten daraufhin in die Höhe. Weil mehr Busse nötig waren, stiegen die Kosten. 2003 wurde das Gratis-Konzept daher beendet, immerhin blieben die Fahrten auch danach billig.



In der bayerischen Gemeinde Viechtach fährt seit einiger Zeit ein Kleinbus, der nach Bedarf als Rufbus vor allem ältere Menschen gratis in den Ortskern oder ins Krankenhaus bringt. Das wohl ambitionierteste Vorhaben gibt es seit Ende 2018 in dem
26 000-Einwohner-Städtchen Pfaffenhofen bei München, wo immerhin sechs Linienbusse kostenlos Passagiere befördern.

Monheims Flotte umfasst 47 Busse, die Stadt hat 44 000 Einwohner – damit wäre es das größte Gratis-Konzept in Deutschland. Auch für Fahrten in das benachbarte Langenfeld ist kein Ticket nötig. Der Preis von Tickets nach Düsseldorf halbiert sich.

In einem Punkt ist Pfaffenhofen aber ambitionierter: Dort fahren nicht nur Einheimische gratis, sondern auch Touristen und andere Zugereiste.

Wie sind die Chancen auf Erfolg in Monheim – wird das Gratis-Fahren die Passagierzahlen nach oben bringen? Rathauschef Zimmermann bleibt vorsichtig: „Wir hoffen, dass sie steigen.“ Beim gewünschten Umstieg auf den Bus spiele Psychologie eine große Rolle. „Das Auto hat man sich einmal gekauft und es steht dann in der Garage – es verursacht zunächst keine sichtbaren Kosten, die kommen erst später an der Tankstelle“, sagt der 37-jährige von der kommunalen Partei Peto. Beim Bus hingegen müsse man pro Fahrt je nach Preisstufe etwa drei Euro zahlen – „für manche ist das eine Hemmschwelle“. Die entfalle nun – das könnte einige Bürger zum Umstieg auf den Bus bewegen, sagt er.

Derzeit legten die Monheimer einer Umfrage zufolge 55 Prozent ihrer Wegstrecke in Autos, Mopeds oder Motorrädern zurück und nur 10 Prozent mit dem Nahverkehr – der Rest zu Fuß oder mit dem Fahrrad.

Ob Monheim aber eine Vorbildfunktion hat für andere Kommunen in der Republik, ist fraglich. Denn das kleine Städtchen am Rhein hat eine Sonderrolle: Es gilt als Steueroase, nirgendwo sonst im Bundesland zahlen Konzerne weniger Gewerbesteuern als hier. Inzwischen sprudeln die Steuereinnahmen im einst klammen Monheim. Einen Jahresüberschuss von knapp 30 Millionen Euro erwirtschaftete die Stadt zuletzt - bei einem Gesamthaushalt von 400 Millionen Euro ein beachtlicher Wert.

Etwa drei Millionen Euro wird Monheim pro Jahr an sein Nahverkehrsunternehmen zuschießen müssen, um die Einnahmenausfälle zu begleichen. Das wäre nur ein Zehntel des jüngsten Jahresüberschusses. Die Stadt kann sich also leisten, was andere Kommunen nicht können.

(dpa)