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In getrennten Maschinen in die USA
Merkel, Kramp-Karrenbauer und der Zank ums Flugzeug

Berlin. Die Bundesregierung sieht „organisatorische“ Gründe für die getrennten USA-Flüge von Bundeskanzlerin und Verteidigungsministerin. Von Hagen Strauss

Die Bundesregierung versuchte am Montag, die Angelegenheit mit den zwei Flugzeugen niedrig zu hängen. Jede Reise sei für sich so wichtig, dass die Termine nicht durch Umplanungen gefährdet werden dürften, betonte Vize-Regierungssprecherin Ulrike Demmer. „Es hat also überhaupt nichts mit Platz oder irgendwelchen persönlichen Dingen zu tun, sondern ist rein organisatorisch.“ Tatsächlich?

Angela Merkel flog am Sonntag zum Klimagipfel nach New York – in einer Maschine mit angeblich noch ausreichend freien Sitzen. Annegret Kramp-Karrenbauer folgte eine halbe Stunde später – zum Antrittsbesuch in Washington in einem fast leeren Flieger. Beide reisten also getrennt und nicht in einem Flugzeug, wie es ursprünglich geplant gewesen sein soll. AKK und ihre Delegation seien kurzfristig wieder ausgeladen worden, wurde kolportiert, angeblich aus Platzgründen.

Der Vorgang sorgte für erheblichen Wirbel in Berlin. Denn die Regierung hatte 48 Stunden zuvor ihr Klimapaket vorgestellt, und nun benahmen sich auf den ersten Blick zwei Spitzenkräfte selbst wie Klimasünder. Demmer betonte freilich, die Bundesregierung gleiche schon seit 2014 die Klimawirkungen der notwendigen Dienstreisen aus.



Der Umweltaspekt ist aber nur die eine Seite der Medaille. Denn zugleich entstand der Eindruck, AKK sei sozusagen von Merkel ausgeladen worden. Manch einer wertete den Vorgang als Zeichen einer offenkundig wachsenden Entfremdung zwischen der Kanzlerin und ihrer Kronprinzessin. Das mag vielleicht etwas hoch gehängt sein, aber dass beide inzwischen ein persönliches Klimaproblem haben, wird hinter vorgehaltener Hand nicht in Abrede gestellt.

Zwar ist die CDU-Chefin bei allen wichtigen Sitzungen im Kanzleramt dabei, man telefoniert auch regelmäßig, doch seit AKK als Verteidigungsministerin ins Kabinett eingetreten ist, ist Merkel wieder ihre Chefin. Das macht es nicht einfacher, die Machtbalance zwischen beiden auszutarieren. Freundinnen waren Merkel und Kramp-Karrenbauer ohnehin nie, aber enge Vertraute. Das Misstrauen, das sich offenbar in die Beziehung eingeschlichen hat, hat jedenfalls einen Grund: Im Februar lud die CDU-Vorsitzende zum Werkstattgespräch über die Flüchtlingspolitik Merkels ein, um sich aus dem Schatten der Kanzlerin zu lösen. Das hat Merkel ihr übel genommen. Außerdem soll Kramp-Karrenbauer anlässlich der Klausurtagung, die sie Anfang Juni nach der vergeigten Europawahl auf die Tagesordnung gesetzt hatte, versucht haben, einen raschen Wechsel im Kanzleramt herbeizuführen.

Ob das alles tatsächlich eine Rolle gespielt hat im Zank der beiden Regierenden ums Flugzeug, ist offen. Eine Sprecherin Kramp-Karrenbauers meinte immerhin noch: „Unsere Ministerin ist wohlbehalten in den USA angekommen.“ Merkel übrigens auch.