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Genossen unter Druck: Wähler für Schwarz-Rot

Berlin. Für die Wähler von Union und SPD ist die Sache klar: Wenn es nach ihnen ginge, könnte die große Koalition starten. Doch was passiert, wenn die SPD-Mitglieder Nein sagen? Nach Überzeugung von Generalsekretärin Andrea Nahles ist dann die gesamte SPD-Führung dran. dpa

Eine große Mehrheit der SPD-Anhänger ist dafür, dem Koalitionsvertrag mit der Union zuzustimmen. Das hat jetzt eine Forsa-Umfrage im Auftrag der "Welt am Sonntag" ergeben. Dabei sprachen sich 78 Prozent der befragten sozialdemokratischen Wähler für eine große Koalition auf der ausgehandelten Grundlage aus. Lediglich 19 Prozent empfahlen eine Ablehnung. Im Lager der Union ist die Zustimmung der Umfrage zufolge noch größer: 79 Prozent plädieren für ein schwarz-rotes Bündnis, 15 Prozent dagegen.

Die SPD lässt zurzeit ihre 475 000 Mitglieder über den Koalitionsvertrag abstimmen. Das Ergebnis soll am 14. Dezember feststehen. Die SPD-Spitze zeigt sich zwar optimistisch. Nach Ansicht von SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles ist aber noch nichts entschieden: Ein "Selbstläufer" sei das nicht, sagte sie der "Welt am Sonntag".

Nahles machte deutlich, dass die gesamte Führung der SPD Konsequenzen ziehen würde, falls die Basis den Koalitionsvertrag ablehnen sollte. "Die Entscheidung der Mehrheit der Mitglieder ist verbindlich. Es muss aber schon klar sein, was eine Ablehnung bedeuten würde", sagte sie. "Die gesamte Parteispitze hat sich reingeworfen in diesen Prozess. Wir alle haben hart verhandelt und stehen nun ein für dieses Ergebnis. Wir werden uns der Verantwortung stellen."

Die SPD-Spitze setzte ihr Werben für den Koalitionsvertrag gestern fort. Am Vormittag waren Parteichef Sigmar Gabriel und die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft bei einer Regionalkonferenz in Kamen. Anders als bei den meisten anderen Regionalkonferenzen durften die Medien hier nicht in den Saal. Am Nachmittag sprach Gabriel mit dem bayerischen SPD-Chef Florian Pronold auf einer Regionalkonferenz in Nürnberg.

In Nordrhein-Westfalen hatte die SPD einem Regierungsbündnis mit CDU und CSU anfangs besonders kritisch gegenübergestanden. Kraft wirbt seit dem Abschluss der Verhandlungen jedoch um Zustimmung zum Koalitionsvertrag. Am Freitag schloss sie eine Kanzlerkandidatur für sich aus - und machte klar, dass sie im Fall einer Neuwahl nicht als Spitzenkandidatin zur Verfügung steht (wir berichteten). > Seite 5: Berichte