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Frührentner sollen bald mehr dazuverdienen dürfen

Berlin. Die Koalition will Frührentnern mehr Zuverdienste ermöglichen. Nach Angaben der FDP-Fraktion haben sich die Fachpolitiker auf eine Neuregelung verständigt, wonach Frührentner künftig soviel dazuverdienen können, bis das letzte Bruttogehalt erreicht ist. Bisher sind nur maximal 400 Euro Zuverdienst pro Monat zulässig. Einnahmen darüber hinaus werden mit der Rente verrechnet

Berlin. Die Koalition will Frührentnern mehr Zuverdienste ermöglichen. Nach Angaben der FDP-Fraktion haben sich die Fachpolitiker auf eine Neuregelung verständigt, wonach Frührentner künftig soviel dazuverdienen können, bis das letzte Bruttogehalt erreicht ist. Bisher sind nur maximal 400 Euro Zuverdienst pro Monat zulässig. Einnahmen darüber hinaus werden mit der Rente verrechnet.Ein Sprecher des Arbeitsministeriums widersprach Berichten über eine Einigung. Auch die Unions-Fraktion äußerte sich zurückhaltend. "Es gibt noch kein Ergebnis", hieß es dort. Die FDP-Fraktion bestätigte hingegen einen Zeitungsbericht, wonach Rentner, die vor 65 in den Ruhestand gehen, künftig soviel dazuverdienen können sollen, bis das letzte Bruttogehalt erreicht ist. So erlaube die Neuregelung einer Verkäuferin mit einem Bruttogehalt von zuletzt 2200 Euro im Monat und einer Altersrente von 730 Euro einen Zuverdienst bis zu 1470 Euro monatlich, ohne Einbußen bei der gesetzlichen Rente hinnehmen zu müssen. Unberührt bleiben die Vorschriften für Ruheständler ab 65. Sie können schon heute unbegrenzt dazuverdienen.

Der Sprecher des Berliner Arbeitsministeriums betonte, es gebe noch "keine Abstimmungen innerhalb der Regierung". Es gebe auch noch keinen Fahrplan für ein Gesetzgebungsverfahren. Das Modell, das der stellvertretende FDP-Fraktionsvorsitzende Heinrich Kolb (Foto: dpa) vorgeschlagen habe, solle in die weiteren Überlegungen einbezogen werden.

Opposition und Verbände kritisierten den FDP-Vorschlag. Der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der SPD-Fraktion, Hubertus Heil (Foto: dpa), warf den Liberalen "ein gefährliches Spiel" vor. "Wenn sie sich damit in der Koalition durchsetzen würde, wäre das ein weiterer schwarz-gelber Schritt zu staatlich subventionierter Lohndrückerei", sagte Heil.



DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach (Foto: dpa) wertete den Vorschlag als Zeichen für das Scheitern der Rente mit 67: "Die Pläne sind ein Eingeständnis der Bundesregierung, dass viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gezwungen sind, frühzeitig in Rente zu gehen." Sie forderte Union und FDP auf, die Rente mit 67 zu stoppen.

Unterstützung signalisierte hingegen der Chef des Instituts zur Zukunft der Arbeit, Klaus Zimmermann. "Rentenpolitik und Arbeitsmarkt erzwingen eine Überprüfung der bisherigen starren Regelungen", sagte er. Es sei daher richtig, Erwerbstätigen mehr Spielraum zu geben. > Seite 4: Meinung, Seite 8: Berichtdapd