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Freunde und Politik fordern Freiheit für Deniz Yücel

 „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel wird seit dem 14. Februar in der Türkei festgehalten. Foto: Karlheinz Schindler/dpa
„Welt“-Korrespondent Deniz Yücel wird seit dem 14. Februar in der Türkei festgehalten. Foto: Karlheinz Schindler/dpa FOTO: Karlheinz Schindler/dpa
Ankara/Berlin. Die türkische Justiz prüft den Fall des deutsch-türkischen Reporters in Haft. Dem Journalisten wird die Verbreitung von Terrorpropaganda vorgeworfen. gü/dpa

Die türkische Polizei hat offenbar ihre Ermittlungen gegen den deutsch-türkischen Reporter Deniz Yücel abgeschlossen. Derzeit werde Yücel nur noch "aus politischen Gründen" festgehalten, sagte der Grünen-Bundestagsabgeordnete Özcan Mutlu unserer Zeitung. Mutlu hatte gestern das Istanbuler Polizeipräsidium besucht, in dem der "Welt"-Korrespondent Yücel seit dem 14. Februar festgehalten wird. In den kommenden Tagen entscheidet die türkische Justiz, ob der Reporter freigelassen oder in Untersuchungshaft gesteckt wird. Die Staatsanwaltschaft in Istanbul prüft ihr weiteres Vorgehen im Fall Yücel vor dem Hintergrund wachsender Spannungen im türkisch-deutschen Verhältnis.

In Istanbul gewann Mutlu nach eigenen Worten den Eindruck, dass in dem Fall nicht mehr ermittelt, sondern nur noch auf die Entscheidung der zuständigen Staatsanwaltschaft gewartet wird. Mutlu, stellvertretender Vorsitzender der Deutsch-Türkischen Parlamentariergruppe, hatte vergeblich versucht, Zugang zu Yücel zu bekommen.

Dem Journalisten wird wegen Berichten über die von einer Hackergruppe veröffentlichten Mails des türkischen Energieministers Berat Albayrak die Verbreitung von Terrorpropaganda vorgeworfen; Albayrak ist ein Schwiegersohn des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan. Neben Yücel wurden sechs türkische Journalisten festgenommen, von denen drei inzwischen unter Auflagen wieder auf freiem Fuß sind. "Mein Eindruck ist: Es ist jetzt eine politische Frage. Es geht nicht mehr um polizeiliche Ermittlungen", sagte Mutlu nach seinen Gesprächen mit der Istanbuler Polizeiführung.



Die große Koalition und mehr als 160 Bundestagsabgeordnete fordern die eilige Freilassung des Journalisten, über dessen weiteres Schicksal bis zum 28. Februar entschieden werden muss. Mit einem Autokorso wollen Angehörige, Freunde und Kollegen morgen im hessischen Flörsheim für Yücels Freilassung demonstrieren. Es ist dessen Heimatort.

Unter dem Hashtag #Korso4Deniz wollen sie möglichst viele Menschen für die Aktion mobilisieren. Noch hat sich die Staatsanwaltschaft in Istanbul nicht dazu geäußert, ob sie Entlassung oder Untersuchungshaft für den deutsch-türkischen Doppelstaatler beantragen will.