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Ex-Berater schießt gegen US-Präsidenten
„Feuer und Zorn“ bei Trump und Bannon

Im Januar 2017 war die Welt zwischen US Präsident Donald Trump und seinem damaligen Chefstrategen Steve Bannon (rechts) noch halbwegs in Ordnung.
Im Januar 2017 war die Welt zwischen US Präsident Donald Trump und seinem damaligen Chefstrategen Steve Bannon (rechts) noch halbwegs in Ordnung. FOTO: Evan Vucci / dpa
Washington. Der Ex-Chefstratege im Weißen Haus greift den US-Präsidenten und dessen Familie in einem Buch an.

(dpa) Donald Trump hielt sich nicht lange bei der Vorrede auf, um seinen einstigen Chefstrategen auf das Format eines drittklassigen Wasserträgers zurechtzustutzen. Steve Bannon habe nur wenig zu tun gehabt mit seinem, Trumps, historischem Sieg. Er habe nichts als den eigenen Ruhm angestrebt. Statt heute die Agenda des „Make America Great Again“ zu unterstützen, stehe ihm der Sinn nur noch danach, alles niederzubrennen, schrieb der Präsident in einer Replik auf das Enthüllungsbuch „Fire and Fury“, in dem Bannon seiner Wut freien Lauf lässt. „Als er gefeuert wurde, hat er nicht nur seinen Job verloren, sondern auch seinen Verstand“, wütet Trump.

Im August aus der Machtzentrale entlassen, hatte der Vordenker der nationalistischen Rechten Trump zunächst seine Treue geschworen. Von dem Zweckbündnis ist nicht viel übrig geblieben. Ganz im Gegenteil: Wegen „übler Nachrede und Schmähungen“ will Trumps Anwalt Charles J. Harder die Veröffentlichung des Buches „Fire and Fury“ nun verbieten lassen. Unter anderem die „Washington Post“ berichtete, dem Autor Michael Wolff und dem Verlag Henry Holt & Co. seien Verfügungen zugestellt worden. Das Buch dürfe weder als Ganzes noch teilweise in Auszügen erscheinen. Trump fordere außerdem eine Entschuldigung.

Geht man nach den Auszügen, die vor dem geplanten Verkaufsstart am Dienstag publik geworden sind, hatte Trump nicht wirklich damit gerechnet, dereinst im Oval Office zu sitzen. Stattdessen sei er verblüfft gewesen, als ihm der Coup gelang. Sogar ein wenig ratlos. Vor allem sind es Bannons Zitate, die für Wirbel sorgen, zumal der Brechstangenrhetoriker mit ihnen die wichtigste Regel des Trump-Imperiums verletzte: Nichts Böses über die Familie zu sagen. Es geht um Donald junior, Trumps ältesten Sohn, der eine offenbar gut vernetzte russische Anwältin namens Natalja Weselnizkaja in den New Yorker Trump Tower einlud, um Belastendes über Clinton zu sammeln. Auch Kushner und Paul Manafort, Trumps damaliger Wahlkampfmanager, waren mit von der Partie. Das sei „Verrat, unpatriotisch und übler Mist“ gewesen, sagte Bannon dem Reporter Wolff. Die drei ranghohen Herren, fügte er voller Sarkasmus hinzu, hielten es für eine gute Idee, in einem Besprechungszimmer im 25. Stock des Trump Towers die Vertreterin einer ausländischen Regierung zu treffen, und zwar ohne Anwälte. „Selbst wenn Sie glauben, dass es kein Verrat, nicht unpatriotisch und kein übler Mist war, hätten Sie sofort das FBI verständigen müssen.“ Indirekt widerspricht Bannon damit der Darstellung Trumps, wonach es nie geheime Absprachen zwischen seinem Wahlkampfteam und Russland gab. Und über Trumps Tochter Ivanka urteilt er, sie sei „dumm wie ein Ziegelstein“.