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Fast jeder dritte Diesel-Fahrer würde umsteigen

 Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Foto: Schindler/dpa
Matthias Wissmann, Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA). Foto: Schindler/dpa FOTO: Schindler/dpa
Düsseldorf/München. Viele Auto-Besitzer denken über Wechsel auf andere Motortypen nach. Grund sind die hohe Feinstaubbelastung und drohende Fahrverbote. Agentur

Der schlechte Ruf der Dieselmotoren hat offenbar Auswirkungen auf das Kaufverhalten. Ein großer Teil der Diesel-Fahrer denkt angesichts der hohen Feinstaubbelastung durch Dieselmotoren und drohender Fahrverbote über einen Umstieg auf andere Motortypen nach. Das geht aus einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Targobank hervor. Nur noch zwei von fünf Diesel-Fahrern planen demnach beim nächsten Autokauf die erneute Anschaffung eines Diesels. Der Rest will wechseln oder ist unsicher. Wegen der wachsenden Kritik am Dieselmotor fürchtet die Autoindustrie um Milliardeninvestitionen und Arbeitsplätze.

Daher betonen VW, Daimler und BMW den geringen Kraftstoffverbrauch und den geringen CO{-2}-Ausstoß von Dieselmotoren. "Der saubere Diesel hat noch eine lange Zukunft vor sich", sagte der BMW-Vorstandsvorsitzende Harald Krüger der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Der Chef der VW-Tochter Seat, Luca de Meo, sagte dem "Focus": "Wenn wir die CO{-2}-Emissionen verringern wollen, werden wir kurz und mittelfristig kaum an Dieselmotoren vorbeikommen." VW-Sprecher Nicolai Laude sagte, mit der neuen Abgastechnik sei auch "die Stickoxidfrage bei Neufahrzeugen gelöst". Der Chef des Branchenverbands VDA, Matthias Wissmann, betonte zugleich, die Hersteller und Zulieferer arbeiteten "mit Hochdruck an der weiteren Verbesserung der Dieseltechnologie".

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger dürfte der Diesel-Anteil bei Mittel- und Oberklasseautos in Europa bis 2030 auf ein Drittel, bei Kleinwagen sogar gegen Null sinken. Heute ist jeder zweite Neuwagen in Europa ein Diesel. Die großen Autobauer investieren nach wie vor Milliarden in die Technologie. Heutige Diesel-Autos überschreiten laut Umweltbundesamt den EU-Grenzwert auf der Straße um ein Vielfaches. Die Verkehrsminister der Bundesländer fordern daher rasch wirksame Gegenmaßnahmen. In Stuttgart und München drohen von 2018 an Fahrverbote für ältere Diesel.



Politiker und Branchenvertreter kritisierten die Pläne. "Es kann nicht sein, dass Pendler und Handwerker für die Versäumnisse der Autoindustrie bestraft werden", sagte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) dem "Kölner Stadt-Anzeiger" und dem "Express". VDA-Chef Wissmann forderte die Verantwortlichen im Autoland Baden-Württemberg auf, sich zu erinnern, "auf welcher industrieller Basis Wohlstand und Beschäftigung fußen". Zahlreiche Arbeitsplätze hängen am Diesel - allein beim Unternehmen Bosch sind es akteull rund 50 000.