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Experten belegen Nachteile der Zeitumstellung

Berlin. Die Debatte über Sommer- und Winterzeit wird seit Jahren erbittert geführt, jetzt gibt es ein neues Experten-Gutachten zu Nutzen und Risiken. Es ist Wasser auf die Mühlen der Umstellungs-Gegner. Hagen Strauß

Neuer Zündstoff in der Debatte über die zwei Mal jährlich praktizierte Zeitumstellung: Dem Bundestag liegt ein brisantes Gutachten vor, das die Gegner von Sommer- und Winterzeit bestärken könnte. Dem Vernehmen nach plant der Ausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung, sich in der kommenden Woche mit der gut 200 Seiten starken Analyse zu beschäftigen. Der Endbericht "Bilanz der Sommerzeit" des Büros für Technikfolgen-Abschätzung beim Bundestag, der für den zuständigen Ausschuss erstellt wurde, stützt die zentralen Argumente der Kritiker. Die mögliche Energie-Einsparung sei "allenfalls minimal beziehungsweise zu vernachlässigen", heißt es in dem Report, der unserer Zeitung vorliegt. Hochgerechnet auf den "nationalen Stromverbrauch" ergäben sich Einsparungen von nur 0,21 Prozent. Zudem bereite die Zeitumstellung manchen Menschen mehr Mühe, als "in früheren Jahren angenommen wurde". Vor allem über Dauer-Müdigkeit und Konzen trationsprobleme wird immer wieder berichtet. Außerdem betonen Experten immer wieder, dass sich der Bio-Rhythmus vieler Menschen, insbesondere der Kinder, erst einige Tage nach der Zeitänderung anpasse. Dauer-Müdigkeit und Konzentrationsprobleme können die Folge sein. Dass es mehr Infarkte gibt, lässt sich aus Sicht der Experten allerdings nicht belegen. Ebenso wenig eine höhere Zahl an Verkehrsunfällen, wie sie in anderen Studien festgestellt wurde.

Dieses Jahr fällt das Umstellen der Uhren ausgerechnet auf den Ostersonntag: In der Nacht vom 26. auf den 27. März wird die Uhr um zwei Uhr morgens um eine Stunde vorgedreht. Dann ist Sommerzeit und es bleibt eine Stunde länger hell. Im Oktober müssen die Uhren dann wieder um eine Stunde zurückgestellt werden. Das europaweite Ritual wurde in Deutschland 1980 eingeführt. Seither wurden mehrere parlamentarische Initiativen gestartet mit dem Ziel, die Umstellung zu kippen - allerdings erfolglos.