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EU-Kommission leidet unter Frauenmangel

Brüssel. Der künftige Chef der EU-Kommission hat es schwer: Jean-Claude Juncker soll aus den Vorschlägen der EU-Staaten ein neues Gremium zusammensetzen. Doch die Hauptstädte nominieren zu wenige Kandidatinnen. Agentur

Die Bildung der neuen EU-Kommission könnte sich wegen Frauenmangels verzögern. Sollten die EU-Staaten nicht ausreichend Frauen als Kandidatinnen für das Gremium nominieren, werde sich der Start der EU-Kommission verschieben. Davor warnte die Sprecherin des künftigen EU-Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker gestern in Brüssel . Offiziell soll die neue EU-Kommission Anfang November ihre Arbeit aufnehmen.

"Herr Juncker hat mehrfach klar gemacht, dass eine Kommission mit nur zwei oder drei Frauen nicht rechtmäßig und nicht glaubwürdig sein wird, und dass er dies nicht akzeptieren wird", so die Sprecherin. "Wenn keine Lösung gefunden wird, könnte die Bildung der Kommission mehr Zeit benötigen."

Bereits Anfang Juli hatte Juncker die Mitgliedsländer aufgerufen, mehr Frauen in die Brüsseler Chefetage zu entsenden. Bislang haben die EU-Hauptstädte nur zwei Frauen für die 27 zu vergebenden Posten offiziell nominiert. So will Tschechien die derzeitige Ministerin für Regionalentwicklung, Vera Jourova, nach Brüssel schicken. Schweden möchte, dass die bisherige EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström schwedische EU-Kommissarin in Brüssel bleibt. Zudem wird von Bulgarien erwartet, auch künftig auf die bisherige Kommissarin für humanitäre Hilfe, Kristalina Georgiewa, zu setzen. In der derzeitigen Kommission sind neun von 28 Kommissaren Frauen .

Auch das Europaparlament hatte parteiübergreifend stets betont, dass es einer Kommission ohne einen bedeutenden Anteil von Frauen nicht zustimmen wird.

Bis gestern Abend sollten die Staaten ihren jeweiligen Kandidaten und das gewünschte Portfolio nennen. Einige Länder - wie etwa Belgien, das nach den Wahlen noch keine Regierung gebildet hat - dürften aber länger brauchen. Juncker wird dann auf dieser Basis sein Gremium zusammenstellen. Die Namen will er zunächst nicht veröffentlichen. Deutschland schickt den bisherigen EU-Energiekommissar Günther Oettinger erneut ins Rennen. Frankreich hat den ehemaligen Finanzminister Pierre Moscovici nominiert.