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Empörung über AfD-Vize nach rassistischer Attacke

Berlin. Die AfD sorgt wieder einmal für Schlagzeilen. Ihr Vizechef Gauland äußert sich abfällig über den Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng. Politiker und Sportfunktionäre zeigen ihm dafür die rote Karte. dpa/epd

Mit umstrittenen Äußerungen über Fußball-Weltmeister Jérôme Boateng hat AfD-Vize Alexander Gauland kurz vor Beginn der EM für breite Empörung gesorgt. Gauland sagte der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung": "Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben." Der Politiker bestritt diese Äußerung gestern, die Zeitung bestand jedoch auf ihrer Darstellung. AfD-Chefin Frauke Petry räumte Erinnerungslücken ihres Stellvertreters ein: "Ich entschuldige mich unabhängig davon bei Herrn Boateng für den Eindruck, der entstanden ist."

Andere Parteien und Fußballfunktionäre reagierten entsetzt. DFB-Präsident Reinhard Grindel sagte, es sei "einfach geschmacklos", die Popularität Boatengs und der Nationalelf "für politische Parolen zu missbrauchen". Der Bayern-Profi ist in Berlin geboren, sein Vater ist Ghanaer, seine Mutter Deutsche.

Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes, Christine Lüders, erklärte: "Da wird Rassismus salonfähig gemacht." Wer Deutsche zu Fremden erkläre, grenze aus und bereite den Boden für Intoleranz.



Auch Vizekanzler Sigmar Gabriel (SPD ) betonte, Boateng sei kein Fremder. Die Bemerkung zeige, dass Gauland "nicht nur gegen Fremde, sondern auch gegen das Gute an Deutschland" sei. Der auch für Sport zuständige Innenminister Thomas de Maizière (CDU ) nannte Boateng einen Musterprofi: "Jeder Deutsche kann sich glücklich schätzen, solche Leute zu haben, als Teamgefährte, deutscher Staatsbürger und Nachbar." Boateng selbst hat sich gelassen über Gauland geäußert. "Kann ich nur drüber lächeln. Ist traurig, dass so etwas heute noch vorkommt", sagte Boateng gestern in der ARD nach dem Länderspiel Deutschland - Slowakei. "Ich glaube, heute waren auch genug positive Antworten im Stadion. Ich habe ein paar Plakate gesehen."

Erst vor Tagen hatten sich Anhänger der fremdenfeindlichen Pegida-Bewegung abfällig über Jugendfotos von Fußballern auf Packungen der "Kinderschokolade " geäußert. Darauf zu sehen sind unter anderem Boateng und Ilkay Gündogan.