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Einfach immer da – die ewige Queen

1936 Prinzessin Elizabeth mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Margaret (l.) im Sommerurlaub in Windsor. Fotos: dpa (7), Fotolia
1936 Prinzessin Elizabeth mit ihren Eltern und ihrer kleinen Schwester Margaret (l.) im Sommerurlaub in Windsor. Fotos: dpa (7), Fotolia
Elizabeth war da, als die Bomben fielen. Die 14-jährige Prinzessin redete im Kinderprogramm der BBC ihren Altersgenossen Mut zu. Für die zwei Jahre jüngere Betty, die im heimischen Wohnzimmer saß und lauschte, war sie wie ein Rettungsanker. Es herrschte der Zweite Weltkrieg und die Thronfolgerin hielt ihre erste Rundfunkansprache. Katrin Pribyl

Elizabeth war da, als die Bomben fielen. Die 14-jährige Prinzessin redete im Kinderprogramm der BBC ihren Altersgenossen Mut zu. Für die zwei Jahre jüngere Betty, die im heimischen Wohnzimmer saß und lauschte, war sie wie ein Rettungsanker. Es herrschte der Zweite Weltkrieg und die Thronfolgerin hielt ihre erste Rundfunkansprache.

Elizabeth ist noch immer da. Während Großbritannien derzeit über den Verbleib in der EU streitet und Premierminister David Cameron seine Steuergeschichten in der Öffentlichkeit aufdröselt, steht die Königin über allem. Unaufgeregt, mit viel Symbolik und großem Pflichtbewusstsein führt sie seit mehr als 64 Jahren ihren Dienst am Volk aus. "Sie hat ihr Leben dafür geopfert", sagt die heute 88-jährige Betty. Die Queen geht in ihrer verfassungsgemäßen Aufgabe des Herrschens, aber Nicht-Regierens auf, seit sie nach dem Tod ihres Vaters, König George VI., über Nacht zum Staatsoberhaupt eines schwächelnden Reichs wurde.

Heute, an ihrem 90. Geburtstag, wird Elizabeth durch das Städtchen Windsor spazieren. Die Rekord-Regentin, die im vergangenen Jahr ihre Ururgroßmutter Victoria überholt hat, wird in gewohnt farbenfrohem Kostüm, die Handtasche am Arm, Hände schütteln, Small Talk führen, Gratulationen entgegennehmen, für Fotos posieren. Sie wird mit strenger Disziplin ihren Job erledigen und tausende Menschen werden ihr anerkennend zujubeln. Dasselbe Bild: Tag ein, Tag aus. Jahr ein, Jahr aus.



Heutzutage gehe alles viel zu schnell, klagt Betty, "da tut die Stabilität und Kontinuität, die die Königin ausstrahlt, gut". Tatsächlich unterstützen rund 70 Prozent der Bevölkerung das Königshaus und meinen damit vor allem Elizabeth II. Die Queen ist die Monarchie , die Monarchie ist die Queen. An ihrem Ehrentag steht also Windsor auf dem Programm, jener Ort, an dem sich so ziemlich alles royal schimpft, was einen Namen trägt. Ein Pub heißt "The Royal Oak", das Theater kommt nicht ohne den Zusatz "Royal" aus, über dem Eingang zur Einkaufspassage "Windsor Royal Shopping" hängen Wappen, die die Nähe zur Monarchie verdeutlichen. Immerhin: Die Queen wohnt viele Tage im Jahr nur wenige Schritte entfernt in Schloss Windsor. 1078 erbaut, ist es das älteste durchgängig bewohnte Schloss der Welt. Der Bau auf dem Hügel, umgeben vom perfekt getrimmten Englischen Rasen, lockt jedes Jahr Millionen von Besuchern an.

Einige Stunden zuvor ist das Ehepaar Yates in den Zug nach Windsor gestiegen. Peter und Mairead leben eigentlich in Cornwall. Der größte Pluspunkt der Royals? "Sie bringen Touristen ins Land", sagt Peter. Und auch wenn der 65-Jährige keine besondere Zuneigung zur Queen hegt, erkennt er doch an, dass sie einen "sehr guten Job" mache. "Die Queen vermittelt den Eindruck der selbstlosen Hingabe und ich denke, niemand wird diese Rolle je wieder so ausfüllen können", sagt Peter. "Ein Teil von mir ist stolz darauf, dass sie als Persönlichkeit in der Welt ungeheuer bewundert wird", ergänzt seine Frau. "Sie bietet eine gute Leistung für ihr Geld." Und trotzdem: "Ich weiß nicht, ob wir die Monarchie weiterhin in dem Ausmaß finanzieren sollten, wie wir das bislang tun."

Dabei kündigte die pragmatische Elizabeth 1992 unter dem Druck der Öffentlichkeit an, künftig Steuern zu bezahlen. Schloss Windsor brannte damals halb nieder, und Widerstand kam auf, als der Staat die Kosten des Wiederaufbaus übernehmen wollte. Ausgerechnet zu einer Zeit, in der royale Eskapaden die Schlagzeilen auf der Insel dominierten. Die Queen zeigte sogar ganz untypisch offiziell Emotionen, als sie das Jahr zu einem "annus horribilis", einem "Schreckensjahr", erklärte, weil Trennungen, Enthüllungen, Affären und Kapriolen ihrer Kinder das Bild der heilen Windsorschen Familienwelt zerstörten.

"Dass sie dieses Diana-Ding überlebt hat." Mairead Yates schüttelt fast anerkennend den Kopf. "Es hätte auch alles schiefgehen können." Tatsächlich sank die Popularität der Queen nach dem Tod von Prinzessin Diana im Jahr 1997 auf den Tiefpunkt. Die Monarchie geriet für einen Moment ins Wanken, weil Elizabeth mit ihrem zögerlichen Verhalten das Volk erzürnte. Erst nachdem sie in ein Staatsbegräbnis für die ungeliebte Ex-Schwiegertochter einwilligte und sich vor Dianas Sarg verbeugte, zeigten sich die Briten versöhnlich.

Jennifer sitzt auf einem der abgewetzten roten Sitze, während ihr vierjähriger Sohn durchs Zugabteil tobt. Erst ist sie wenig gesprächig. Aber über die Queen plaudern? Klar, gerne. "Sie trägt zu unserer DNA bei, zu unserer Britishness", sagt die 34-Jährige. Es scheint schwer, einen Briten zu finden, der keine positiven Worte für das Staatsoberhaupt übrig hat.

Dabei hilft der Queen ihr Image als bodenständige und bescheidene Frau, das sie stets zu pflegen wusste. Sie ist geprägt vom Sparzwang der Kriegs- und Nachkriegszeit, und am liebsten präsentiert sie sich in Gummistiefeln in der Natur, umgeben von Tieren. "Sie mag Hunde, Pferde, Männer und Frauen - und zwar in dieser Reihenfolge", schrieb einmal Biograf Graham Turner. Gleichwohl hat sie die Inszenierung der Monarchie zur Perfektion geführt.

Palast-Kritiker bemängeln oft die Profillosigkeit des Staatsoberhaupts und eine fehlende Innovationskraft. Sie habe keine besonderen Akzente in der Gesellschaft gesetzt. Doch lag darin nicht das Geheimnis ihrer Beliebtheit? Die Unnahbare hat die schweren Palastvorhänge stets nur einen Spalt weit aufgezogen, um das Rätselhafte ihrer Person und die Magie der Monarchie zu bewahren. Die Distanz hat funktioniert. So schwärmt die 88-jährige Betty von der Königin, wie ein Teenager einen Popstar anhimmelt. "Sie hat diese innere Stärke, die ich so bewundere." Dann lacht Betty auf. "My dear", sagt sie fröhlich. "Ich habe ein langes Leben gelebt." Es war ein gutes Leben. Doch wenn die Queen jemals gehen sollte und damit das für die Briten Unvorstellbare eintritt, dann hoffe sie, dass sie ihr nicht lange danach folgen werde. "Ohne sie will ich nicht hier sein."

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Auf einen BlickDie Queen feiert ihren 90. Geburtstag gleich drei Mal. 21. April: Sie verbringt den Tag in Schloss Windsor und macht einen öffentlichen Spaziergang ("Queen Walkabout"). 12. bis 15. Mai: 1500 Laienschauspieler, Musiker und Tänzer mit 900 Pferden vollführen allabendlich ein Spektakel in Windsor. Die Akteure setzen das Leben der Monarchin in Szene. 10. bis 12. Juni: Gottesdienst in St. Paul's Cathedral in London, Geburtstagsparade und "Patron's Lunch" (auf der Prachtstraße The Mall speisen 10 000 geladene Gäste an Tischen am Straßenrand) dpa