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Öko-Visionär Franz Alt bleibt unbequem
Ein Weltverbesserer, der zu zivilem Ungehorsam anstiftet

Immer auf der Sonnenseite: Öko-Pionier Franz Alt an der Solaranlage seines Wohnhauses.
Immer auf der Sonnenseite: Öko-Pionier Franz Alt an der Solaranlage seines Wohnhauses. FOTO: dpa / Uli Deck
Baden-Baden. Publizist, Fernsehmoderator und Öko-Visionär Franz Alt lässt auch mit 80 nicht locker. Er bleibt ein Unbequemer — und will „erneuerbar“ bleiben. Von Volker Hasenauer und Susanne Kupke

Atomare Abrüstung, Asylstreit, Klimawandel – bei Franz Alt geht es schnell ums große Ganze. „Alle menschengemachten Probleme müssen auch von Menschen gelöst werden“, begründet der Öko-Vorreiter sein Engagement. Und auch mit 80 lässt der Publizist nicht locker: Durch Gastbeiträge in Zeitungen, Vorträge und eingängige Buchtitel wie „Die Sonne schickt uns keine Rechnung“ oder „Was Jesus wirklich gesagt hat“ will Alt aufrütteln und zum Weltverbessern anstiften. Sei es im Kleinen durch Solaranlagen auf dem eigenen Dach oder im Großen im Widerstand gegen Atomwaffen.

Dass mancher dem bekennenden Katholiken Eitelkeit, Naivität oder – wegen seiner auf aktuelle Probleme gemünzte Anleihen an den historischen Jesus – Vermessenheit vorwirft, lässt ihn kalt. Widerspruch ist er gewohnt. Zurücklehnen und schweigen? Das kann Alt nicht. Heute wird der Publizist 80 und will den runden Geburtstag im kleinen Familienkreis „in den Bergen“ verbringen.

Alt stammt, wie er selbst sagt, aus einer „sehr traditionellen, sehr konservativen Ecke“: 1938 im badischen Untergrombach als Sohn eines Maurermeisters und Kohlehändlers geboren, studierte er Politik, Geschichte, Philosophie sowie Theologie. Er promovierte über Konrad Adenauer und trat als Student in die CDU ein. Doch je älter Alt wurde, desto mehr eckte er an. Im Jahr 1988 trat der Querdenker aus seiner Partei aus – wegen „mangelnder ökologischer Sensibilität“ in der CDU.



Radikalenerlass, Verbrechen der Wehrmacht oder ziviler Ungehorsam – mit solchen Themen erregte der Moderator der Polit-Sendung „Report“ Aufsehen und machte sie Ende der 1970er Jahre zum erfolgreichsten Monatsmagazin im deutschen Fernsehen. Sein Engagement für Ökologie, Frieden und Menschenrechte wurde unter anderem mit dem Grimme-Preis, der „Goldenen Kamera“ und Umweltpreisen geehrt. Ärger gab es auch, nun ja, aber: „Ich habe gelernt, dass es sich lohnt, für die Dinge, die einem wichtig sind, zu streiten.“

Wenn es sein musste, auch mit dem früheren Arbeitgeber, dem Südwestrundfunk (SWR). Mit dem stritt er sich mehrmals vor Gericht. 1983 sollte Alt „wegen starker Parteinahme für die Friedensbewegung“ von der „Report“-Moderation entbunden werden. Gegangen ist er erst im Jahr 1991 mit der 230. Sendung. Danach moderierte er die ARD-Sendereihe „Zeitsprung“ sowie „Querdenker“ und „Grenzenlos“ auf 3sat. Als „Unbequemen, mit dem man jederzeit rechnen konnte – und musste“, verabschiedete ihn sein damaliger Chef Peter Voß 2003 in den Ruhestand. 15 Jahre später sind frühere Differenzen längst verziehen: „Franz Alt ist noch heute ein Vorbild für viele Journalisten – streitbar, leidenschaftlich und verlässlich“, sagt SWR-Intendant Peter Boudgoust.

Von Ruhestand ist so bei Franz Alt keine Rede: Jedes Jahr ein Buch und an die 100 Vorträge, hier ein Gespräch mit seinem Freund Dalai Lama, da eins mit Ex-Kreml-Chef und Friedensnobelpreisträger Michail Gorbatschow. Der sieht in dem Journalisten aus Baden-Baden einen Bruder im Geist im Kampf für eine saubere Umwelt, für Abrüstung und Menschenrechte.

Der Prediger für die gute Sache hat mit Spenden von Fernsehzuschauern „Boatpeople“ aus Vietnam unterstützt, Blinden in Indien geholfen und sich für die internationale Erneuerbare-Energieagentur IRENA stark gemacht. Der Ausstieg aus der Atomkraft ist für ihn späte Genugtuung. Doch seine Mission ist längst nicht erfüllt: „Es bleibt noch viel zu tun für die weltweite Energiewende.“ Unermüdlich wirbt Alt auf der von seiner Frau Bigi betriebenen „Sonnenseite“ im Internet für regenerative Energien: „Die Sonne schickt täglich 15 000 mal mehr Energie, als zur Zeit alle Menschen verbrauchen.“