| 22:26 Uhr

Ein Bild deutsch-französischer Harmonie

Metz. Beim deutsch-französischen Ministerrat in Metz herrschte nach den Verstimmungen der vergangenen Wochen Harmonie. Die Partner schienen zu realisieren, dass sie in schwierigen Zeiten aufeinander angewiesen sind.

Das Familienfoto vom deutsch-französischen Ministerrat in Metz spricht Bände: Angela Merkel amüsiert sich im Dialog mit Präsident François Hollande und dessen Regierungschef Manuel Valls. Vergessen scheint der Streit um die Flüchtlingspolitik der Kanzlerin, den Valls mit seiner Kritik an der deutschen Willkommenskultur entfacht hatte. "Harte Worte stacheln mich eher an, als dass ich darüber verzage", sagte Merkel gestern bei der abschließenden Pressekonferenz. Überhaupt bemühten sich beide Seiten, ihre Differenzen angesichts der noch zu bewältigenden Aufgaben vergessen zu machen. "Beständigkeit und Vertrauen" prägten die Beziehungen zwischen beiden Ländern, bemerkte Hollande, dem seit Beginn der Flüchtlingskrise ein unterkühltes Verhältnis zur Kanzlerin nachgesagt wurde.

Doch schon vor dem Treffen hatte der Staatschef versucht, die Gemeinsamkeiten in den Vordergrund zu stellen. In der Flüchtlingskrise hätten er und Merkel die gleiche Position vertreten, die letztlich die Vereinbarung mit der Türkei ermöglicht habe, sagte Hollande vorab. "Diese Krisen haben uns auf persönlicher Ebene näher gebracht, selbst wenn wir nicht die gleichen politischen Ansichten teilen."

Merkel bemühte die Geschichte der deutsch-französischen "Erbfeindschaft", um ihr die gemeinsamen Projekte gegenüberzustellen. "Ich bin heute sehr zufrieden, wissend, dass die Aufgaben alle noch nicht abschließend gelöst sind", schloss sie ihr Statement vor der Presse, beklatscht von den Ministern beider Länder, die ebenfalls anwesend waren. Der deutsch-französische Ministerrat kommt einmal im Jahr zusammen. Das Treffen in Metz , an dem auf beiden Seiten etwa 15 Minister teilnahmen, stand im Zeichen der Flüchtlingskrise. Saar-Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und Frankreichs Außenminister Jean-Marc Ayrault legten dazu einen Bericht zur besseren Integration von Flüchtlingen vor, der die Schaffung eines deutsch-französischen Integrationsrates vorsieht.

Auf Ministerebene klappt die Kooperation bereits gut. So arbeiten Finanzminister Michel Sapin und sein deutscher Kollege Wolfgang Schäuble schon lange gegen Geldwäsche zusammen, betonte Hollande. Diese Kooperation zahle sich bei den Enthüllungen der "Panama Papers" aus, die weltweit Schwarzgeldkonten zutage förderten. Vielleicht war es der Tagungsort im einst umkämpften deutsch-französischen Grenzgebiet, der bei den Teilnehmern zur Erkenntnis beitrug, dass es zum deutsch-französischen Tandem keine Alternative gibt. "Wir sind als EU herausgefordert zu zeigen, ob wir den Anforderungen der Globalisierung entsprechen in allen Bereichen. Deutschland und Frankreich haben gezeigt, dass wir nicht nur den Willen dazu haben, sondern wirklich Erfolge zeigen", sagte Merkel.