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Dortmund trotzt dem Terror

Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verließ am Mittwoch, begleitet von Polizei-Fahrzeugen, das heimische Trainingsgelände. Foto: Marius Becker/dpa
Der Mannschaftsbus von Borussia Dortmund verließ am Mittwoch, begleitet von Polizei-Fahrzeugen, das heimische Trainingsgelände. Foto: Marius Becker/dpa FOTO: Marius Becker/dpa
Dortmund. Nach dem Anschlag auf den BVB-Teambus sprechen Ermittler von Terror. Auch wenn eine Spur zu Islamisten führt, ist das Motiv noch unklar. Agentur

Terrorverdacht, Metallstifte in Sprengsätzen, offene Fragen zu Bekennerschreiben: Der mutmaßlich islamistische Anschlag auf den BVB-Teambus rückte das neu angesetzte Champions-League-Spiel in den Hintergrund. Während die Profis von Borussia Dortmund versuchten, sich nach dem Schock wieder auf den Fußball zu fokussieren, offenbarten die Ermittler das ganze Ausmaß des heimtückischen Angriffs.

Es gebe möglicherweise einen islamistischen Bezug, berichtete Frauke Köhler, Sprecherin der Bundesanwaltschaft in Karlsruhe und sprach von einem terroristischen Hintergrund der Tat. Ein Islamist sei festgenommen, seine Wohnung sowie die eines zweiten Tatverdächtigen aus dem islamistischen Spektrum seien durchsucht worden. Bei dem Sprengstoffanschlag mit zwei Verletzten bohrte sich auch ein Metallstift in die Kopfstütze eines Sitzes im Mannschaftsbus des Bundesligisten. "Wir können daher von Glück sagen, dass nichts Schlimmeres passiert ist", sagte Köhler.

Trotz aller beunruhigenden Nachrichten vermittelten die Verantwortlichen des BVB mit voller Vehemenz eine Botschaft: Kein Einknicken! "Das Wichtigste ist, dass die Demokratie und unsere freiheitliche Grundordnung auf dem Prüfstand steht und die müssen wir stärken. Da leistet die Mannschaft einen weltweit beachteten Beitrag", betonte Club-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke kurz vor dem Anpfiff des Spiels am Mittwochabend.



Der eigens nach Dortmund gereiste Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) sagte dem TV-Sender Sky: "Wir wollen, dass solche Spiele stattfinden, wir wollen dem Terror nicht weichen." In einem Telefonat mit BVB-Macher Watzke wünschte auch Kanzlerin Angela Merkel (CDU) der Mannschaft, den Trainern und Fans alles Gute - und verurteilte den Anschlag als "widerwärtige Tat".

Das Entsetzen vom Vorabend wirkte auch bei Spielbeginn noch nach. "Wir hätten uns mehr Zeit gewünscht, damit umzugehen", sagte Trainer Thomas Tuchel. Die BVB-Profis, denen ihr Einsatz freigestellt worden war, wärmten sich demonstrativ in T-Shirts mit Genesungswünschen für ihren beim Anschlag schwer verletzten Teamkollegen Marc Bartra auf.

Das Motiv für den Anschlag war bis zum Anpfiff des Spiels unklar. Beide Tatverdächtige stammen Medienberichten zufolge aus der nordrhein-westfälischen Islamisten-Szene - ein 25-jähriger Iraker aus Wuppertal und ein 28-jähriger Deutscher aus Fröndenberg.

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