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Antibiotika-Resistenzen
Die Menschheit lebt unter einem Dach

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Der deutsche Konsument soll ruhig die Augen verschließen vor den sozialen und ökologischen Bedingungen, unter denen die günstigen Produkte entstehen, die er konsumiert. Von Ulrich Brenner

Irgendwann wird er Augen machen.

In der globalisierten Welt hängt alles mit allem zusammen: Kohlendioxid, Mikroplastik, Krankheitserreger – nichts macht vor Grenzen halt. Was nutzt der zurückhaltende Umgang mit Antibiotika in Medizin und Landwirtschaft in einem Land, wenn andernorts durch achtlose Produktionsmethoden oder leichtfertige Vergabe Resistenzen gezüchtet werden. Die Menschheit lebt unter einem Dach. Wieder mal muss man hier – fast schon gebetsmühlenartig – an die Notwendigkeit internationaler Standards erinnern, die in Zeiten der Renationalisierung von Politik aus der Mode zu kommen scheinen. Aber wie schon bei der Debatte um Billig-Importe der Textilindustrie gilt auch in der Pharma-Branche: Deutsche Firmen sind auch für die Bedingungen bei ihren Lieferanten in Indien mitverantwortlich.