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6. Armee kapitulierte am 2. Februar 1943
Die Kessel-Schlacht an der Wolga endete vor genau 75 Jahren

Deutsche Soldaten nach ihrer Kapitulation am 2. Februar 1943. Die Schlacht um das inzwischen in Wolgograd umbenannte Stalingrad war für die deutsche Wehrmacht 1943 die erste vernichtende Niederlage im Krieg gegen die Sowjetunion und wurde zum Wendepunkt an der Ostfront.
Deutsche Soldaten nach ihrer Kapitulation am 2. Februar 1943. Die Schlacht um das inzwischen in Wolgograd umbenannte Stalingrad war für die deutsche Wehrmacht 1943 die erste vernichtende Niederlage im Krieg gegen die Sowjetunion und wurde zum Wendepunkt an der Ostfront. FOTO: dpa
Wolgograd. Schulklassen wallfahren zum „Teich der Tränen“. Großmütter flanieren mit ihren Enkeln zur Heldenhalle von Wolgograd, wo eine marmorne Faust mit „ewiger Flamme“ zum Himmel weist. Am Aufgang zum Mamajew-Hügel wachsen kantige Männergestalten mit Kalaschnikow-Gewehr aus den Felsen hervor. Von Christoph Arens

Steinerne deutsche Soldaten zeigen angstverzerrte Gesichter. Oben auf der Kuppe ragt die Figur der „Mutter Heimat“ 80 Meter in den Himmel der südrussischen Stadt, die früher Stalingrad hieß. Kein freundliches Mütterchen Russland, sondern eine überaus strenge Frau, die ihr großes Schwert wütend nach Westen reckt.

Die 1967 errichtete Statue erinnert an die Schlacht von Stalingrad, die heute vor 75 Jahren, am 2. Februar 1943, mit der Kapitulation der 6. Armee der Wehrmacht endete. Sie gilt als einer der psychologischen Wendepunkte des Zweiten Weltkriegs – ein Menetekel des totalen Zusammenbruchs Deutschlands.

Im Kampf um die Stadt Stalins starben nach Schätzungen mehr als 500 000 Russen und 150 000 deutsche Soldaten. Von den mehr als 100 000 deutschen Kriegsgefangenen, in endlosen Kolonnen, teilweise in Strohschuhen und notdürftig vermummt in die Lager geführt, kehrten nur 6000 zurück.



Nach dem Scheitern des Blitzkriegs gegen die Sowjetunion 1941 hatte Hitler 1942 einen neuen Anlauf unternommen, um den Vernichtungskrieg im Osten zu gewinnen. Am 23. Juli 1942 forderte er die gleichzeitige Offensive zu den Erdölgebieten im Kaukasus und gegen Stalingrad – und zersplitterte damit die Kräfte der Wehrmacht. Zentrum des sowjetischen Maschinenbaus und der Schwerindustrie: Das an der Wolga gelegene Stalingrad war strategisch wichtig. Zugleich wurde die Stadt zum Schauplatz eines Prestigeduells der beiden Diktatoren. „Bei Stalingrad verteidigen wir unsere Mutter Russland“, schrieb der Schriftsteller Ilja Ehrenburg mit Blick auf die Schlacht. „Unser Prestige hängt gleichwie das der Sowjetunion in stärkstem Maße von ihrem Ausgang ab“, notierte NS-Propagandaminister Joseph Goebbels.

Am 7. August 1942 begann die 6. Armee unter Generalmajor Friedrich Paulus ihre Offensive. Am 13. September rückten die Spitzen der 6. Armee in die Randbezirke Stalingrads ein. Bis Mitte November hatten die Deutschen 90 Prozent der Stadt erobert. Verbissene Kämpfe von Haus zu Haus: Trotz hoher Verluste gelang es den Deutschen nicht, Stalingrad vollständig einzunehmen. Doch die Russen behaupteten einen Brückenkopf am westlichen Ufer der Wolga. Während eine deutsche Division nach der anderen aufgerieben wurde, zog das sowjetische Oberkommando an den deutschen Flanken kampfstarke neue Kräfte heran. Am 19. November begann die Zangenoperation. Heulende Stalinorgeln, über Schneefelder stürmende Rotarmisten: Drei Tage später war die 6. Armee eingekesselt. Zehntausende Soldaten verhungerten und erfroren bei minus 40 Grad.

Hitler untersagte Paulus mehrfach jeden Versuch, aus dem Kessel auszubrechen, und versprach, die Armee von außen freikämpfen zu lassen. Doch als die Panzerarmee unter Generaloberst Hermann Hoth am 20. Dezember, 50 Kilometer von Stalingrad entfernt, liegen blieb, war das Schicksal der 6. Armee besiegelt.

Am 3. Februar ließ das Oberkommando der Wehrmacht im „Großdeutschen Rundfunk“ eine Sondermeldung verlesen: Die 6. Armee habe getreu ihrem Fahneneid „bis zum letzten Atemzug“ gekämpft, sei aber einer „Übermacht“ und „ungünstigen Verhältnissen erlegen“. Paulus verweigerte sich Hitlers Befehl zum Suizid und ging mit seinem Stab in russische Gefangenschaft.