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Nach der Wahl
Die Hoffnungen auf einen Neubeginn in Simbabwe verblassen

Präsident Mnangagwa hat die Wahlen offiziell gewonnen. Die Opposition bestreitet das.
Präsident Mnangagwa hat die Wahlen offiziell gewonnen. Die Opposition bestreitet das. FOTO: dpa / Shaun Jusa
Harare. Die Wahlen sollten eine neue Ära einläuten. Stattdessen gab es Proteste, Tote, Zweifel am Sieg des Mugabe-Nachfolgers. Wie es weitergeht, ist offen. dpa/epd

Emmerson Mnangagwa hatte nie Angst davor, sich die Hände schmutzig zu machen. Als Chef des Geheimdienstes in Simbabwe war er in den 80er Jahren mutmaßlich für Massaker mit Tausenden Toten im Matabeleland verantwortlich. Später soll er die Jagd auf Oppositionelle organisiert haben, als seine Partei, die Zanu-PF, die Macht zu verlieren drohte. Sein Spitzname ist „Krokodil“, wegen seiner Skrupellosigkeit.

Jahrzehntelang stand Mnangagwa im Schatten des Langzeit-Präsidenten Robert Mugabe, für den er als rechte Hand, Minister, Vize und Ausputzer pflichtbewusst den blutigen Teil der Arbeit übernahm. Doch dann wurde aus Freundschaft Rivalität: Das Militär vertrieb Mugabe im November nach 37 Jahren aus dem Amt. Mnangagwa wurde zum Nachfolger erkoren, der einen Neuanfang versprach, faire und freie Wahlen.

Nun hat der 75-Jährige, der wie Mugabe mit der Unabhängigkeitsbewegung gegen die britische Kolonialherrschaft in den 70ern in die Politik eintrat, nach offiziellen Angaben die ersten Wahlen nach der Ära Mugabe gewonnen. Doch EU-Beobachter beklagen unfaire Bedingungen. Die Wahlen vom Montag gewann Mnangagwa laut Wahlkommission mit 50,8 Prozent und damit so knapp, dass er eine Stichwahl gerade noch vermeidet. Die Opposition zweifelt das Ergebnis an. Und Gewalt überschattet das historische Geschehen in dem südafrikanischen Land. Bei Ausschreitungen kamen in den vergangenen Tagen mindestens sechs Menschen ums Leben, als Sicherheitskräfte mit scharfer Munition gegen Anhänger der Opposition vorgingen.



Die Hoffnung auf einen Neubeginn, die vor der Wahl über dem Land gelegen hatte, verblasst zusehends. Zwar verlief die Abstimmung Wahlbeobachtern zufolge weitgehend frei. Die Panzer und das Tränengas auf den Straßen von Harare erinnerten aber zu sehr an die Ära Mugabes, der seit der Unabhängigkeit des Landes 1980 an der Macht war und vom Hoffnungsträger zum Despoten wurde. „Die Wahl vom Krokodil ist kein Neubeginn“, sagte Norbert Neuser, der Leiter der Beobachter des EU-Parlaments, am Freitag über Mnangagwa.

Oppositionsführer Nelson Chamisa, 40 Jahre alt, von der Partei MDC erhielt nach Angaben der Wahlkommission 44,3 Prozent der Stimmen. Nach der lange erwarteten Verkündung der Wahlergebnisse lag eine angespannte Ruhe über dem Land. Unklar war, wie Reformer Chamisa reagieren würde. Dann äußerte er sich, kritisierte die Ergebnisse der Parlaments- und Präsidentschaftswahlen als gefälscht und forderte auf Twitter von der Wahlkommission die Veröffentlichung der „richtigen und verifizierten Ergebnisse, die von allen Parteien bestätigt wurden“. Schwer bewaffnete Polizisten umstellten das Hotel in der Hauptstadt, in dem Chamisa eine Pressekonferenz abhalten wollte.

Beobachter bezweifelten unterdessen, dass Chamisa tatsächlich vor Gericht ziehen werde. „Es ist unwahrscheinlich, dass die MDC gewinnen könnte“, sagte Derek Matyszak vom Institute for Security Studies. Auch erwartete der Simbabwe-Experte keine Massenproteste der Oppositionsunterstützer.

Doch wie geht es mit Simbabwe unter Mnangagwa weiter? Experten zufolge ging es dem versierten Machtpolitiker bei der Wahl um viel mehr als den Sieg. Es ging ihm darum, die internationale Gemeinschaft von einem neuen, fairen Simbabwe zu überzeugen – damit wieder dringend benötigte Gelder in das Krisen-Land fließen.

Denn der inzwischen 94 Jahre alte Robert Mugabe, einst als Freiheitskämpfer gefeiert, stürzte das Land im Süden Afrikas mit einer gescheiterten Wirtschaftspolitik in eine tiefe Krise, in der es heute noch steckt. Es herrscht eine Rekordarbeitslosigkeit. Anfang November setzte Mugabe seinen Vize Mnangagwa überraschend ab, offenbar mit dem Ziel, seine ambitionierte Frau Grace an seine Stelle und damit zu seiner designierten Nachfolgerin zu befördern. Doch Mugabe hatte sich verrechnet, seine Macht bröckelte bereits. Die Fraktion der First Lady war in der Partei nicht stark genug. Die Armee stellte sich auf die Seite der Kriegsveteranen, für die Mnangagwa steht, und übernahm die Kontrolle. Jetzt hat Mnangagwa sein Ziel erreicht. Mugabe ist weg, er ist der erste Mann im Staat.

Und die neue Ära? Nach dem Wahlverlauf, der gegenüber der Opposition nicht fair verlief, den Betrugsvorwürfen und der Gewalt auf den Straßen sei es deutlich schwieriger, ausländische Geldgeber davon zu überzeugen, dass Simbabwe ein sicheres und freundliches Klima für Investitionen bereite, sagte Charles Laurie von der Risikoberatung Verisk Maplecroft. Auch Neuser warnte davor, Simbabwe gleich mit hohen Beträgen zu unterstützen: „Wir müssen mit Vorsicht agieren.“ Damit bleibt die Zukunft Simbabwes unter Mnangagwa weiter ungewiss.