| 00:01 Uhr

Nichtraucherschutz in Deutschland
Die Geschichte des Rauchverbots beginnt im Schützengraben

Köln. Schon das erste offizielle Rauchverbot der deutschen Geschichte sollte im wahrsten Sinne Leben retten: Es galt für Soldaten in den Stellungen des Ersten Weltkriegs. Denn im Schützengraben konnte es tödlich enden, wenn die Landser ein Streichholz entflammten und die Zigarettenglut gegnerischen Scharfschützen ein Ziel bot.

Entschiedener Streiter gegen das zunehmende Rauchen während der „wilden 20er Jahre“ war Adolf Hitler. Der Griff zu Zigaretten und Zigarren verstieß gegen die NS-Ideale der rassischen und körperlichen Reinheit. Weil der Tabakkonsum dennoch stetig stieg, verschärften die Nazis gegen Ende der 30er ihre Nichtraucherbestimmungen. So verboten die 60 größten Städte im Reich 1941 das Rauchen in Straßenbahnen. Und Minderjährige durften von Juli 1943 an nicht mehr in der Öffentlichkeit zur Zigarette greifen.

Nach 1945 bot sich ein anderes Bild: Rauchen gehörte quasi zum guten Ton. Der wirtschaftliche Wiederaufstieg des besiegten Landes brachte eine neue Lust am Konsum mit sich: Gequalmt wurde überall, auf Ämtern, in Schulen, beim Friseur, in der Bahn, in Flugzeugen und Fernsehstudios. 1974 beschloss der Bonner Bundestag, Werbung für Tabakerzeugnisse im Rundfunk zu verbieten. In der DDR bestand zur Mittagszeit bereits ein Rauchverbot in Gaststätten – und es gab eine staatliche Arbeitsgruppe „Förderung des Nichtrauchens“. Trotzdem boomte der Absatz.

Die EU nahm den Kampf gegen Tabak 2003 auf, ordnete gut lesbare Warnhinweise auf Zigarettenpäckchen an. Im Jahr 2009 forderte Brüssel seine Mitglieder auf, bis 2012 im öffentlichen Raum generell für Rauchfreiheit zu sorgen. Heute gelten in 17 von 28 Staaten Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden. In Deutschland gilt seit 2007 ein Nichtrauchergesetz. Unter anderem ist seitdem das Rauchen in Bus, Bahn und Behörden sowie am Arbeitsplatz verboten. Die Bundesländer folgten 2008 mit eigenen Bestimmungen, etwa in der Gastronomie. Allerdings mit vielen Ausnahmen. Deshalb legte Bayern 2010 nach einem Volksentscheid nach und kappte sämtliche Ausnahmeregelungen, auch für Festzelte.



Seit Mai 2016 warnen in Deutschland Schockfotos auf Zigarettenpäckchen vor dem Rauchen, damit wird eine EU-Richtlinie umgesetzt. Zudem gilt seither ein Verbot von Aromen im Tabak und eine Werbebeschränkung für E-Zigaretten.

In deutschen Kinos läuft noch immer Werbung fürs Qualmen – Stichwort Marlboro-Cowboy. Doch auch hier tickt die Uhr. Nach 2020 soll damit Schluss sein: Die Bundesregierung hat beschlossen, Zigarettenwerbung im Kino und auf Plakaten zu verbieten. Auch in einer der letzten verbliebenen privaten Domäne droht Rauchern Unbill: im Auto. Österreich verbot jüngst den Griff zur Zigarette, wenn Kinder mit im Fahrzeug sind. Die Luft für Raucher wird immer dünner.