| 22:26 Uhr

Facebook
Die Flucht nach vorn

FOTO: SZ / Robby Lorenz
Wahrscheinlich ist es nur die Spitze des Eisbergs. Kaum vorstellbar, dass knapp drei Dutzend gefälschte Seiten alles sind, was es über das Einfallstor Facebook an digitalen Manipulationsversuchen gibt im amerikanischen Kongresswahlkampf 2018. Und dass besagte Seiten gesperrt worden sind, ist wohl nicht viel mehr als der berühmte Tropfen auf den heißen Stein. Von Frank Herrmann

Facebook ist unter Druck, nachdem in der rasanten Wachstumsphase der Eindruck entstand, als sei das Thema Datenschutz nur das fünfte Rad am Wagen Mark Zuckerbergs. In dieser Drucksituation versucht das soziale Netzwerk nun, so etwas wie Lerneffekte zu zeigen. So nachlässig wie 2016, als sich im Zuge des Duells ums Weiße Haus die Beschwerden über russische Trolle im Internet häuften, will man nie wieder wirken. Das kann sich das Unternehmen schlicht nicht leisten in einem Umfeld, in dem die Skepsis der Europäer nach Amerika schwappt, in dem die Zahl der Nutzer stagniert oder gar sinkt, in dem nach scheinbar unaufhaltsamer Rekordjagd der Börsenkurs eingebrochen ist. Also hängt man einen Befund an die große Glocke, der im Kern vage bleibt. Facebook hat die Flucht nach vorn angetreten. Die Antennen für die Gefahr sind nun auch im Silicon Valley feinere. Allein das ist schon ein Gewinn.