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Reaktionen auf Juncker und Trump
Die Euphorie über den Deal teilt nicht jeder

Er reagierte erleichtert: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU).
Er reagierte erleichtert: Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU). FOTO: dpa / Kay Nietfeld
Brüssel/Berlin/Rehlingen. Nach über drei Stunden hinter verschlossenen Türen wurde der europäisch-amerikanische Handelskrieg bei dem Krisentreffen in Washington abgeblasen. „Null Zölle, null Handelsbarrieren, null Subventionen“, beschrieb US-Präsident Donald Trump sein Ergebnis mit EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker. Von Detlef Drewes und Lothar Warscheid

Doch die Euphorie des Moments schwappte nicht bis Brüssel. „Das einzig Positive ist, dass weiter geredet wird“, sagte der Chef des Handelsausschusses im Europäischen Parlament, Bernd Lange (SPD). Andere sagten, es gebe nur eine Denkpause im transatlantischen Streit. Und außerdem zeige sich bei Trump erst später, ob er wirklich zu seinen Deals stehe.

Tatsächlich endete das Treffen nicht mit einem unterzeichneten Abkommen – das durfte wohl auch niemand erwarten. Die dafür notwendigen Detailfragen müssen nun Experten klären. Solche Einzelheiten könnten wichtig sein, ein Sprecher der EU-Kommission wollte dazu aber noch nichts sagen.

Nachdem sich die erste Überraschung über den Deal gelegt hatte, stellte sich in Brüssel auch Ernüchterung ein. Zum einen weil die Importaufschläge für Fahrzeuge (Washington will europäische Autos mit einem Zuschlag von 25 Prozent belegen) noch nicht wirklich vom Tisch sind und auch die Zölle auf EU-Stahl und -Aluminium lediglich „überdacht“ werden sollen. Zum anderen befürchten viele Beobachter, dass Europa sich schwer tun könnte, nun rasch eine einheitliche Linie zu finden.



Differenzen kündigten sich in den Reaktionen aus Berlin und Paris bereits an. Während Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) den Deal zu einem „konstruktiven Vorgehen beim Handel“ begrüßte, forderte Frankreich „Klarstellungen“ und zog rote Linien für künftige Verhandlungen.

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich indes erleichtert über den Durchbruch im Handelsstreit. Die Einigung bei dem Krisentreffen sei „ein gutes Ergebnis für Arbeit und Wohlstand in der EU, in Deutschland und weltweit“, sagte Altmaier gestern an seinem saarländischen Wohnsitz in Rehlingen. Der erfolgreiche Verlauf der Gespräche sei „ein guter Anfang“ und nehme vielen Menschen die Sorge, dass die Weltwirtschaft schweren Schaden in den nächsten Monaten nehmen könnte durch einen Handelskrieg, der weltweit stattfinde.

Der Minister rechnet mit „sehr anstrengenden und intensiven Verhandlungen; dabei werden die europäischen Interessen die Richtschnur sein.“ Er sei allerdings optimistisch, „dass wir es schaffen können, in den nächsten Wochen und Monaten zu einem guten Gesamtergebnis zu kommen“.