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Proteste in Frankreich
Demonstranten legen Verkehr lahm

Menschen in gelben Warnwesten blockieren die Champs-Élysées in Paris. Bei den landesweiten Protesten gegen die Spritpreise starb eine Frau.
Menschen in gelben Warnwesten blockieren die Champs-Élysées in Paris. Bei den landesweiten Protesten gegen die Spritpreise starb eine Frau. FOTO: dpa / Michel Euler
Paris. Die Proteste in Frankreich richten sich gegen höhere Spritpreise — aber nicht nur. Von Violetta Heise

Stau vor dem Mont-Blanc-Tunnel, eine völlig blockierte Champs-Élysées in Paris: Zehntausende Menschen in gelben Warnwesten haben am Wochenende in Frankreich gegen geplante Steuererhöhungen auf Benzin und Diesel protestiert – und stellenweise den Verkehr lahmgelegt. Die Wut zielte auch auf die Reformpolitik von Präsident Emmanuel Macron, der ohnehin schon mit schwachen Beliebtheitswerten kämpft.

Knapp 288 000 Menschen beteiligten sich nach Angaben des Innenministers Christophe Castaner landesweit an mehr als 2000 Protestaktionen. Sie blockierten wichtige Verkehrsachsen, Autobahnabschnitte und Kreisverkehre. Eine Autofahrerin geriet nördlich von Grenoble in Panik, als Protest-Teilnehmer an einer Straßensperre auf ihr Auto trommelten. Sie gab Gas und überfuhr eine Demonstrantin, die kurz darauf an den Folgen ihrer Verletzungen starb. Insgesamt wurden 409 Menschen verletzt, 14 von ihnen schwer, wie Innenminister Christophe Castaner gestern dem Sender RTL sagte. Der Protest hatte sich unter dem Namen „Gilets Jaunes“ (dt.: gelbe Westen) formiert – in Anspielung auf die Warnwesten, die auch in Frankreich jeder Autofahrer dabeihaben muss.

Am Samstag ging es auf ganzen Autobahnabschnitten über Stunden kaum voran, weil die Demonstranten immer nur einzelne Fahrzeuge durchließen. Auf dem Autobahnring um Paris kam es zu Behinderungen. Auch auf dem Prachtboulevard der Champs-Élysées stockte am Nachmittag der Verkehr massiv. Die Lage drohte zu eskalieren, als Demonstranten am Abend versuchten, zum Élyséepalast zu gelangen, Macrons Amtssitz. Die Polizei setze Tränengas ein. Auch an einer Blockade vor dem Mont-Blanc-Tunnel griffen Sicherheitskräfte zu diesem Mittel. An manchen Mautstellen sorgten die „Gilets Jaunes“ für kostenlose Fahrt.



Die Proteste waren aus Internetgruppen heraus entstanden – ohne politische Partei oder Gewerkschaft im Hintergrund. Auslöser waren die Spritpreise. Seit Jahresbeginn sind die Steuern für Diesel-Kraftstoff bereits um 7,6 Cent pro Liter gestiegen, für Benzin um 3,9 Cent. Eine weitere Anhebung ist für das kommende Jahr geplant. Ein Liter Superbenzin kostet in Frankreich laut Nachrichtenportal tagesschau.de derzeit rund zwei Euro.

Für viele Beobachter sind die geplanten Steuererhöhungen allerdings nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Auf den Straßen brach sich auch die Unzufriedenheit über die eigene finanzielle Situation Bahn. Oft war die Forderung nach einem höheren Mindestlohn zu hören.