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Hinweise der Saar-IHK
Coronavirus macht auch die Wirtschaft krank

Frankfurt/Berlin. Den Dax hatte das Coronavirus schon in der vergangenen Woche erwischt. Das Börsenbarometer kränkelte, sackte angesichts der drastischen Schritte gegen die Krankheit um mehr als vier Prozent ab, die schwächste Börsenwoche seit Monaten.

Kein Wunder: umfassende Reisebeschränkungen, geschlossene Firmenniederlassungen, eingeschränkte Geschäfte – das Coronavirus beeinträchtigt zunehmend auch deutsche Unternehmen in China, beklagte schon am Freitag die saarländische Industrie- und Handelskammer. Viele deutsche Firmen hätten Präventionsmaßnahmen ergriffen, etwa Dienstreisen minimiert.

Es kann auch kaum ohne wirtschaftliche Folgen bleiben, wenn – wie jetzt geschehen – zahlreiche Fluglinien ankündigen, Flüge von und nach China auszusetzen oder deren Zahl zu verringern. Immerhin schränkt das den Zugang zu einem der größten Märkte der Welt ein. Ganze Konzerne reagieren: Apple gab am Samstag bekannt, alle seine Büros und seine 42 Läden im Kernland Chinas vorübergehend zu schließen. Google, Amazon und Microsoft hatten zuvor Pläne verkündet, Büros zeitweise dichtzumachen, Starbucks und McDonald‘s schlossen einige Filialen.

Die Schritte sind wegen ihrer wirtschaftlichen Folgen nicht unumstritten. Eric Toner, Forscher am Johns-Hopkins-Zentrum für Gesundheitssicherheit in Baltimore (USA), leitete im Oktober mit dem Weltwirtschaftsforum und der Bill-and-Melinda-Gates-Stiftung einen Gipfel, um über Auswirkungen von Handels- und Reisebeschränkungen während einer Pandemie zu diskutieren. Es habe sich immer wieder gezeigt, sagt er nun, dass das Errichten von Reisehindernissen die Verbreitung von ansteckenden Krankheiten nicht verhindere – aber die Ökonomie schwäche.



Die G7-Staaten wollen nach Angaben der Bundesregierung über eine einheitliche Strategie gegen die Ausbreitung des neuartigen Coronavirus beraten. Er habe am Samstag mit seinem US-Kollegen Alex Azar telefoniert, um „zu einer gemeinsamen Einschätzung der Lage zu kommen“, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) am Sonntag in Berlin. „Und wir haben vereinbart, dass es auch eine Telefonkonferenz, eine Aussprache, der Gesundheitsminister der G7 zu dieser Frage geben soll.“ Ziel sei ein einheitlicher Umgang mit der Epidemie. „Es bringt ja nichts, wenn ein Land alleine Maßnahmen ergreift“, sagte Spahn.

Der Bundesgesundheitsminister sagte weiter, es sei eine „dynamische Lage“. „Wir kennen den Virus noch nicht abschließend.“ Es sei eine Zeit, wo es wichtig sei, dass der Staat funktioniere. Dies sei in Deutschland der Fall.

(ulb)