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Gamescom
Cloud-Gaming will den teuren Spiele-PC ersetzen

22.08.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Besucher der Gamescom gehen durch die Messehallen. Zum zehnten Mal findet die Computer Spielemesse in Köln statt. Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
22.08.2018, Nordrhein-Westfalen, Köln: Besucher der Gamescom gehen durch die Messehallen. Zum zehnten Mal findet die Computer Spielemesse in Köln statt. Foto: Oliver Berg/dpa +++ dpa-Bildfunk +++ FOTO: dpa / Oliver Berg
Köln. Anbieter virtueller Gaming-PCs und Streamingdienstleister arbeiten am Ende des klassischen Gaming-PCs daheim. Das muss keine schlechte Sache sein. Von dpa

In der Ferne hetzt ein Berglöwe seiner Beute nach, während der Spieler gerade auf der Flucht vor einem schaufelschwingenden Wahnsinnigen ist: Willkommen in „Far Cry 5“, einem der technisch anspruchsvolleren Spiele 2018. Für volle Details ist ein leistungsstarker Spiele-PC Pflicht. Aber im Business-Bereich der Videospielemesse Gamescom läuft „Far Cry 5“ in ansehnlicher Grafikpracht auf einem unscheinbaren Notebook für 200 Euro. Wie kann das sein? „Wir haben in einem Elektronikmarkt nach dem günstigsten Modell gefragt“, sagt Emmanuel Freund, Gründer des französischen Unternehmens Blade. Mit dem Billigrechner will er vor allem eines zeigen: Bald wird es egal sein, welchen Computer oder welche Konsole jemand hat, es werden auch die neuesten und anspruchsvollsten Spiele darauf laufen. Denn Blade vermietet virtuelle Computer: Man schließt ein Abo ab, lädt eine App herunter und legt los. Bei jeder Anmeldung wird im Rechenzentrum ein virtueller Computer zusammengestellt.

„Ziel ist, dass Nutzer kein eigenes Gerät mehr brauchen“, sagt Freund. Denn Zugang zu Shadow, so der Name des Dienstes, gibt es vom Notebook, Mac, Smartphone, Tablet oder von einer Zugangsbox aus. Auf dem virtuellen Rechner können Nutzer installieren und spielen, was sie wollen. Alle anspruchsvollen Arbeiten erledigt das Rechenzentrum, Spieler streamen auf ihre Geräte nur noch das bewegte Bild.

„Cloud Gaming ist der nächste Schritt“, sagt Felix Falk, Geschäftsführer beim Branchenverband Game. Er sieht solche Angebote als niedrigschwellige Lösung auch für Gelegenheitsspieler. Jeder könne so unabhängig von der Hardware seine Wunschtitel spielen. Statt einer großen Investition in einen teuren Gaming-PC alle paar Jahre würden viele künftig monatlich zahlen, sagt er voraus. Dafür erhalten sie Zugang zu Spiele-Bibliotheken, wie es jetzt schon bei Video-Streamingdiensten üblich ist. Der Vorteil: eine hohe Verfügbarkeit von Spielen und alle Spielstände auf allen Geräten.



Doch noch gibt es Hindernisse. Schaut man in Deutschland auf den Breitbandausbau, ist Cloud Gaming zwar ein schöner Gedanke. Für eine Massennutzung ist das Netz aber längst nicht bereit. Trotzdem sieht auch Prof. Jörg Müller-Lietzkow von der Universität Paderborn die Spiele-Zukunft zum Teil im Rechenzentrum. „Was wir heute von Amazon-Prime, Netflix oder dem Apple-TV kennen, werden wir auch bei Spielen sehen“, sagt er. „Das geht aber nur, wenn der Breitbandausbau wie geplant vorangeht.“

Rund 30 Euro im Monat, also 360 Euro im Jahr, verlangt Blade – einer von mehreren Anbietern – für den Cloud-Computer. Rechnet man das auf die Laufzeit eines Gaming-Computers inklusive neuer Austauschhardware hoch, unterscheiden sich die Preise am Ende nicht groß. Doch der Spieler hat immer aktuelle Hardware zur Verfügung.