| 23:56 Uhr

Nach US-Strafzöllen
China und USA riskieren weltweiten Handelskrieg

Peking. US-Präsident Donald Trump provoziert China. Als Reaktion auf seine Strafzölle verhängt Peking eigene Abgaben auf Einfuhren aus den USA.

Der Handelskonflikt zwischen den USA und China ist mit gegenseitigen Strafzöllen eskaliert. Die Konfrontation zwischen den beiden größten Volkswirtschaften weckt Sorgen über weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft und andere Länder wie Deutschland. US-Präsident Donald Trump drohte China sogar noch mit zusätzlichen Strafzöllen, die auf alle seine Importe in die USA im Wert von mehr als 500 Milliarden US-Dollar ausgedehnt werden könnten.

In einer ersten Runde traten um Mitternacht Washingtoner Zeit US-Sonderabgaben von 25 Prozent auf Einfuhren aus China im Wert von 34 Milliarden US-Dollar in Kraft. Chinas Zoll reagierte umgehend mit eigenen Sonderzöllen auf Einfuhren aus den USA in ähnlichem Umfang. China sehe sich zum „notwendigen Gegenangriff“ gezwungen, sagte ein Sprecher des Handelsministeriums in Peking. Die USA hätten „den größten Handelskrieg in der Wirtschaftsgeschichte“ eingeläutet, hieß es weiter.

Von Chinas Strafzöllen sind landwirtschaftliche Produkte wie Sojabohnen, Fisch, Schweinefleisch, Rindfleisch, Molkereiprodukte betroffen. China zielt damit auf die Wählerschaft von Trump im ländlichen Raum. Höhere Zölle werden aber auch auf Autos erhoben. Darunter leiden vor allem deutsche Autobauer wie Daimler und BMW, die den größten Automarkt in China auch von ihren Werken in den USA aus beliefern. Daimler gab bereits eine Gewinnwarnung. Fast jeder fünfte BMW, der in China verkauft wird, kommt aus den USA.



Mit dieser ersten Runde von Strafzöllen steuern die beiden größten Volkswirtschaften auf einen handfesten Handelskrieg zu, da Trump im Falle chinesischer Vergeltung eine Eskalation in Aussicht gestellt hat. Ob er seine Drohung wahr macht oder mit seiner waghalsigen Politik nur seine Verhandlungsposition stärken will, schien unklar.

Dass China mit 500 Milliarden US-Dollar mehr als sein Land mit 130 Milliarden nach China exportiert, ist Trump ein Dorn im Auge. Er begründet die Strafzölle mit zwangsweisem Transfer von Technologie, Verstößen gegen Urheberrechte oder unfairer staatlicher Subventionen für innovative Industrien in China.

Die jetzt verhängten Zölle treffen nach chinesischen Angaben aber zu 59 Prozent ausländisch investierte Unternehmen in China. US-Firmen in China kritisierten die Strafzölle auch als „kontraproduktiv“. „Es gibt keine Gewinner in einem Handelskrieg“, sagte der Vorsitzende der US-Handelskammer in China, William Zarit. Die 900 in China tätigen US-Unternehmen litten unter unfairen Wettbewerbsbedingungen, aber wachsende Spannungen behinderten ihre Tätigkeiten in China. Beide Seiten sollten an den Verhandlungstisch zurückkehren, forderte Zarit.

China kritisierte die Strafzölle als Verstoß gegen Regeln der Welthandelsorganisation (WTO). Die USA verfolgten „Schikane im Handel“, was die Produktionsketten schädige, die Erholung der Weltwirtschaft beeinträchtige und Unruhe auf den globalen Märkten auslöse.

(dpa)