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Hubschrauber-Sprungfahndung im Saarland und in Rheinland-Pfalz
Die Bundespolizei macht mobil

 Eine Bundespolizistin scannt mit einem Mobiltelefon einen Reisepass. Umfassend haben die Beamten am Donnerstag in unserer Region Jagd auf Schleuser, Schmuggler und illegale Grenzgänger gemacht. Insgesamt 230 Beamte wirkten bei dem Großeinsatz mit.
Eine Bundespolizistin scannt mit einem Mobiltelefon einen Reisepass. Umfassend haben die Beamten am Donnerstag in unserer Region Jagd auf Schleuser, Schmuggler und illegale Grenzgänger gemacht. Insgesamt 230 Beamte wirkten bei dem Großeinsatz mit. FOTO: dpa / Klaus-Dietmar Gabbert
Trier. 230 Polizisten haben am Donnerstag in Rheinland-Pfalz und im Saarland nach Schleusern, Schmugglern und illegalen Grenzgängern gefahndet – mit lautstarker Unterstützung von oben. Von Dimitri Taube

Donnerstagnachmittag an der deutsch-luxemburgischen Grenze: Die Sonne scheint, die Vögel singen, der Grenzfluss Sauer plätschert vor sich hin. Doch auf einmal ist ein Brummen zu vernehmen; es wird immer lauter, die Ruhe im 900-Einwohner-Ort Echternacherbrück nahe Trier wird durchbrochen. Rotorblätter eines Hubschraubers dröhnen. Staub wirbelt durch die Luft. Auf dem dunkelblauen Helikopter prangt der Schriftzug „Bundespolizei“. Er setzt kurz auf, sieben Polizisten springen heraus. Dann fliegt der Helikopter wieder weg und die Beamten laufen zu den Kollegen, die mit den Einsatzwagen vorab da waren. Binnen weniger Minuten errichten sie einen Kontrollpunkt und stoppen Autofahrer. Wen sie für unverdächtig halten, darf weiterfahren. Die anderen winken sie rein, auf den Parkplatz kurz nach der Grenze. Dann heißt es: „Guten Tag, die Papiere bitte!“

Die Aktion soll für Sicherheit sorgen. Die Bundespolizei will Schleuser, Schmuggler und illegale Grenzgänger schnappen. Das Besondere dabei: Die Fahnder kommen an diesem Tag aus der Luft. Hubschrauber-Sprungfahndung heißt das Ganze im Fachjargon. Zwei Helikopter sind im Einsatz: der „Super-Puma“ aus St. Augustin bei Bonn und der „Eurocopter EC 155“ aus dem hessischen Fuldatal. Im Super-Puma finden bis zu 18 Beamte Platz, im Eurocopter maximal acht. Sie müssen oft ran, die Fahndung an der deutsch-französischen und deutsch-luxemburgischen Grenze läuft acht Stunden.

Die Hubschrauber transportieren die Trupps der Mobilen Kontroll- und Überwachungseinheit, kurz: MKÜ, zwischen den verschiedenen Kontrollstellen. Unter anderem in Saarlouis, in Echternacherbrück und in Saarbrücken an der Goldenen Bremm. Mit dem Super-Puma und dem Eurocopter will die Polizei flexibel, dynamisch und schnell sein. Sie kann immer wieder kurzfristig errichtete Kontrollstellen anfliegen und Ausweichversuche potentieller Straftäter auf andere Strecken auffangen. So können die Fahnder einen großen Einsatzraum abdecken – in diesem Fall das Saarland und Teile von Rheinland-Pfalz. Aus Sicht der Bundespolizei ist die Sprungfahndung eine effiziente Methode. „Flexible Joker“ – so bezeichnet Joachim Moritz, Präsident der Bundespolizeidirektion Koblenz, die Fahnder. Moritz weiß: Fest eingerichtete Kontrollstellen sprechen sich in Windeseile herum, auch unter „Leuten, die eine richtige Sache vorhaben“, wie Moritz es formuliert.



Insgesamt kontrollieren rund 230 Bundespolizisten an diesem Tag mehr als 480 Fahrzeuge und 800 Personen. Die Bilanz laut Bundespolizeidirektion Koblenz: neun Personen wollen unerlaubt einreisen, nach fünf Personen wird wegen einer Aufenthaltsermittlung gefahndet. Außerdem setzen die Fahnder Haftbefehle gegen zwei Männer durch – in einem Fall geht es um einen Abschiebehaftbeschluss, im anderen um eine Zurückschiebung. Darüber hinaus finden die Einsatzkräfte Drogen und Waffen und stoppen drei Fahrer ohne Führerschein.

Grenzfahndung ist bereits seit Ende März ein Schwerpunkt der Bundespolizei. Sie will sich ein Bild von der Kriminalitätslage im deutsch-französisch-luxemburgisch-belgischen Grenzraum machen. Im April wurden demnach 12 300 Personen kontrolliert. Es gab 360 Fahndungstreffer, 700 Ermittlungsverfahren wurden eingeleitet und 120 Personen registriert, die illegal einreisen wollten.

2018 hat die Bundespolizei in Rheinland-Pfalz, im Saarland und in Hessen nach eigenen Angaben 3400 unerlaubte Einreisen und Aufenthalte festgestellt, 900 davon im Saarland. Weil es grenzüberschreitende Kriminalität „jeden Tag“ gibt, sind Moritz zufolge „einsatzbezogene Stichprobenkontrollen“ nötig. Die mobilen Kräfte sollen nach seinen Angaben in den kommenden Jahren von derzeit drei Zügen mit jeweils rund 30 Beamten auf sechs Züge verstärkt werden. Auch die Bundespolizei in Bexbach bekommt Verstärkung: 2019 und 2020 gibt es je 50 Kräfte zusätzlich.

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) fordert allerdings noch mehr grenzüberschreitende Zusammenarbeit und Personal. „Bundesweit brauchen wir an der Grenze ein paar tausend Kräfte mehr – im Saarland 350“, sagt Roland Voss, Mitglied im Bundesvorstand des GdP-Bezirks Bundespolizei.