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Brexit-Votum stiftet Chaos in Großbritannien

London/Berlin/Brüssel. Nach dem Schock-Votum der Briten für einen Ausstieg drückt die EU aufs Tempo. Im Königreich selbst herrscht Katerstimmung – Millionen wollen den Exit vom Brexit. Agentur

Das Brexit-Votum zum Ausstieg aus der EU hat Großbritannien in ein beispielloses politisches Chaos gestürzt. Millionen EU-Befürworter im Königreich forderten am Wochenende via Online-Petition eine zweite Volksabstimmung zum Verbleib in der Europäischen Union. Kurz vor dem morgigen EU-Gipfel erhöhten die EU-Spitzen in Brüssel und die Gründerstaaten der Union den Druck auf London, am besten schon morgen die Gespräche zum Austritt zu beginnen. So sollen politische Instabilität und wirtschaftliche Turbulenzen verhindert werden. Die Briten wollen sich dagegen bis Oktober Zeit lassen.

In dem historischen Brexit-Referendum hatten am Donnerstag knapp 52 Prozent der Briten dafür gestimmt, dass Großbritannien als erstes Land überhaupt die EU verlässt. Die konservative Regierung des scheidenden Regierungschefs David Cameron will sich nicht zu schnellen Brexit-Verhandlungen drängen lassen. "Das Referendum ist eine interne Angelegenheit", sagte Außenminister Philip Hammond gestern dem Sender ITV, "den Zeitplan hat nur Großbritannien zu bestimmen."

Dem Königreich selbst droht wegen der Anti-EU-Entscheidung die Spaltung. Schottland will in der EU bleiben und sich eher von London lossagen. Regierungschefin Nicola Sturgeon sagte, das Kabinett in Edinburgh habe zugestimmt, die notwendigen Schritte für ein Unabhängigkeitsreferendum einzuleiten. Jüngste Umfragen legen nahe, dass es in Schottland eine Mehrheit für ein solches Votum geben könnte. Ein erstes schottisches Unabhängigkeitsvotum war 2014 gescheitert. Vor allem bei jungen Briten herrscht Katerstimmung. Mehr als drei Millionen Gegner eines Austritts Großbritanniens aus der EU forderten in einer Online-Petition eine zweite Abstimmung - gestern kamen pro Minute Tausende neue digitale Unterschriften hinzu.



Der britische Labour-Abgeordnete David Lammy rief derweil das Parlament auf, das EU-Referendum zu kippen. Das Ergebnis des Referendums sei nicht bindend, das Parlament solle es mit einem Votum außer Kraft setzen, forderte der Abgeordnete. > Seite 2, 4, 6: Berichte, Seite 4: Meinung