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Kardinal Marx fordert Neuaufbruch in katholischer Kirche
Bischöfe entsetzt über Ausmaß des Missbrauchs

Limburg/Speyer/Mainz. Mehrere katholische Bischöfe haben nach dem Bekanntwerden erster Ergebnisse einer Studie zu sexuellem Missbrauch in der Kirche Konsequenzen gefordert.

Mehrere katholische Bischöfe haben nach dem Bekanntwerden erster Ergebnisse einer Studie zu sexuellem Missbrauch in der Kirche Konsequenzen gefordert. „Es ist immer noch erschütternd, was Kindern und Jugendlichen, die sich Priestern anvertraut haben, durch dieses unvorstellbare Leid widerfahren ist“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, am gestrigen Sonntag während eines Gottesdienstes in Schönstatt bei Koblenz.

Am vergangenen Mittwoch waren durch Berichte des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ und der Wochenzeitung „Die Zeit“ Teilergebnisse einer Studie bekannt geworden, die die Deutsche Bischofskonferenz vor vier Jahren in Auftrag gegeben hatte. Zwischen 1946 und 2014 sollen sich demnach 1670 Kleriker an Minderjährigen vergangen haben. Mutmaßliche Opfer sexueller Übergriffe waren 3677 Kinder und Jugendliche – überwiegend männlichen Geschlechts.

Die Studie soll am 25. September auf der Herbst-Vollversammlung der katholischen Bischöfe in Fulda vorgestellt werden.



Die Studie trage dazu bei, den Blick zu schärfen, sagte Kardinal Marx. Der Vorsitzende der Bischofskonferenz und Münchner Erzbischof zeigte sich „tief bedrückt, erschüttert und beschämt“ über die Missbrauchsfälle. „Wir stehen an der Seite der Betroffenen sexuellen Missbrauchs“, betonte der Kardinal.

Auch der Limburger Bischof Georg Bätzing verurteilte die Fälle von sexuellem Missbrauch scharf. „Hinter der Zahl von 3677 betroffenen Opfern stehen 3677 einzelne Schicksale von Kindern und jungen Menschen, die durch Priester unter Ausnutzung ihrer geistlichen Macht zutiefst verletzt und oft für ihr Leben lang verwundet worden sind“, sagte er in Limburg. Die Studie zeige auch, wie diese Verbrechen über lange Zeit abgewiegelt, verharmlost und vertuscht worden seien, um vorgeblich Schaden von der Kirche abzuwenden, sagte Bätzing.

Der Speyerer Bischof Karl-Heinz Wiesemann hatte sich bereits am Samstag entsetzt über das Ausmaß von sexuellem Missbrauch in der Kirche gezeigt und die Betroffenen um Verzeihung gebeten. Versagen und Schuld träfen auch die Leitung auf allen Ebenen der Kirche. „Wir müssen für unsere Kirche weitere Konsequenzen ziehen und uns allen damit verbundenen Fragen offen und ehrlich stellen“, sagte der Speyerer Bischof.

Der Mainzer Bischof Peter Kohlgraf will sich allerdings erst nach der Herbstvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz in Fulda mit einem Brief an die Gemeinden seines Bistums zum Missbrauchs-Thema äußern. Den Bischöfen sei die komplette Studie noch nicht bekannt. Deshalb werde er erst nach der Präsentation der Ergebnisse etwas dazu in der Öffentlichkeit sagen, kündigte Kohlgraf in seiner Predigt bei der Kreuzwallfahrt in Hanau-Steinheim an.

(epd)