| 00:03 Uhr

Behörde warnt vor Gewalt unter Deutschtürken

Berlin. Der Bundesverfassungsschutz sieht „ein hohes, schlagkräftiges Gefährdungspotenzial“ zwischen den Unterstützern und Gegnern Erdogans. afp/dpa

Im Zusammenhang mit der Entwicklung in der Türkei befürchtet der Bundesverfassungsschutz auch in Deutschland gewalttätige Zusammenstöße zwischen PKK-Anhängern und nationalistischen Deutschtürken. "Es besteht die Gefahr, dass diese Stellvertreter-Auseinandersetzungen zwischen PKK-Anhängern und nationalistischen oder rechtsextremistischen Türken eskalieren", so Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen. In beiden Szenen - dem Lager der Unterstützer wie der Gegner Erdogans - sei "ein hohes, schlagkräftiges Gefährdungspotenzial" vorhanden.

Der innertürkische Konflikt werde seit Jahren auch in Deutschland ausgetragen und habe Auswirkungen auf die Sicherheitslage, kritisiert der Verfassungsschutz. Auch in Deutschland nähmen die Spannungen zwischen PKK-Anhängern und nationalistischen Türken zu. Der Verfassungsschutz wirft der Regierung in Ankara zudem wachsende Einflussnahme auf die in Deutschland lebenden Türken vor. Man beobachte "einen signifikanten Anstieg nachrichtendienstlicher Tätigkeiten der Türkei in Deutschland", teilte die Behörde weiter mit.

Unter solchen von der Regierung in Ankara gesteuerten Aktionen werden unter anderem das Ausspähen von Gegnern des türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, versuchte Einflussnahme, Propaganda und Desinformationskampagnen verstanden. "Wir sehen seit langem, dass die Konflikte in der Türkei auch Auswirkungen auf die Sicherheitslage in Deutschland haben", sagte Maaßen.



Zusätzlich warnte der Verfassungsschutz, dass Deutschland stärker in den Fokus der Terrormiliz "Islamischer Staat" rücke. Deutschland ist in der Zielauswahl des IS im Laufe des Jahres 2016 deutlich höher priorisiert, sagte der Behördenchef. Laut Maaßen nimmt das Potenzial gewaltbereiter Islamisten in Deutschland zudem stetig zu.

Auf politischer Ebene bemüht sich die Bundesregierung weiter darum, die aufgeheizte Stimmung zu beruhigen. Trotz der anhaltend scharfen Töne aus der Türkei betonte der deutsche Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) die Notwendigkeit, im Dialog zu bleiben. Zugleich verbat er sich jedoch jegliche Nazi-Vergleiche, wie sie Erdogan zuletzt angestellt hatte. Mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu sprach Gabriel auch über den Fall des inhaftierten Journalisten Deniz Yücel.

Themen des Tages Seite 2