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Proteste und Ausschreitungen
Zeiten des Aufruhrs in Südamerika

Buenos Aires. Nicht nur in Bolivien, sondern auch in Chile, Venezuela, Ecuador, Argentinien und Peru gibt es Unruhen. dpa

Seit Wochen wird Südamerika von einer Welle der Proteste erschüttert. Neben Bolivien sind noch weitere Länder betroffen. Die Wut der Menschen richtet sich gegen rechte und linke Regierungen gleichermaßen.

Chile: Nach wochenlangen Protesten und gewalttätigen Ausschreitungen mit rund 20 Toten hat die chilenische Regierung einer Kernforderung der Demonstranten nachgegeben und den Weg für eine neue Verfassung freigemacht. Chile galt lange als Hort der Stabilität in Südamerika. Allerdings gibt es im reichsten Land der Region hohe Einkommensunterschiede: Vor allem Gesundheitsversorgung und Bildung sind sehr teuer.



Venezuela: Seit Anfang des Jahres liefern sich Staatschef Nicolás Maduro und der selbst ernannte Interimspräsident Juan Guaidó einen erbitterten Machtkampf. Die humanitäre Lage in dem einst reichen Land ist katastrophal. Zwar kommt es kaum noch zu Massendemonstrationen gegen die sozialistische Regierung wie zu Jahresbeginn, allerdings haben 4,5 Millionen der gut 30 Millionen Venezolaner inzwischen das Land verlassen.

Ecuador: Bei Protesten der indigenen Bevölkerung gegen die Streichung von Benzinsubventionen sind in Ecuador mehrere Menschen ums Leben gekommen, Hunderte wurden verletzt. Mittlerweile hat die Regierung von Präsident Lenin Moreno zwar die Subventionsstreichung kassiert, das Problem der hohen Verschuldung und der sozialen Ungleichheit ist damit aber längst nicht vom Tisch.

Argentinien: Das einst reiche Land steckt in einer tiefen Wirtschafts- und Finanzkrise. Die Inflationsrate liegt bei mehr als 50 Prozent, die sozialen Probleme nehmen immer weiter zu. Mehr als ein Drittel der Menschen leben inzwischen unterhalb der Armutsgrenze. Gewerkschaften und soziale Bewegungen fordern mehr Sozialmaßnahmen und legen mit Demonstrationen immer wieder die Hauptstadt Buenos Aires lahm. Zuletzt unterlag der konservative Amtsinhaber Mauricio Macri bei den Präsidentschaftswahlen gegen den Mitte-links-Politiker Alberto Fernández.

Peru: Der Kampf gegen die weit verbreitete Korruption hat Peru in eine Staatskrise geführt. Weil er sich in seinen Bemühungen gegen Vetternwirtschaft und Mauscheleien vom Kongress ausgebremst sieht, hat Präsident Martín Vizcarra das Parlament aufgelöst und eine Neuwahl für Januar anberaumt.