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Arme Länder begehren bei Klimagipfel auf

Kopenhagen. Beim Kopenhagener Klimagipfel ist der erwartete Konflikt zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern am dritten Tag offen ausgebrochen. Entwicklungs- und Schwellenländer unter der Führung Chinas warfen den USA und der EU gestern vor, bei der Klimapolitik wieder alte kolonialistische Ziele zu verfolgen

Kopenhagen. Beim Kopenhagener Klimagipfel ist der erwartete Konflikt zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern am dritten Tag offen ausgebrochen. Entwicklungs- und Schwellenländer unter der Führung Chinas warfen den USA und der EU gestern vor, bei der Klimapolitik wieder alte kolonialistische Ziele zu verfolgen. In den kommenden zwei Tagen richtet sich daher das Augenmerk verstärkt auf den Brüsseler EU-Gipfel, der neue Ziele für ein ehrgeiziges Klimaabkommen bringen könnte. In den USA kündigten konservative Abgeordnete an, sie wollten auf dem Gipfel Front gegen Präsident Barack Obamas Pläne machen. Der sudanesische Sprecher der in der Gruppe G77 zusammengeschlossenen 130 Entwicklungs- und Schwellenländer, Lumumba Stanislaus Di-Aping (Foto: dpa), kritisierte einen in Kopenhagen zirkulierenden Entwurf der dänischen Klima-Gastgeber für die Schlussvereinbarung als einseitige Parteinahme für die reichen Länder. Di-Aping bemängelte, dass die Dänen auf ein neues Klimaabkommen statt der Fortschreibung des bisherigen Kyoto-Abkommen setzen wollten. Damit würden auch den Entwicklungsländern Verpflichtungen bei den Treibhausgas-Emissionen auferlegt. Der Sudanese: "Es entspricht kaum dem Anspruch der Gastgeber zu neutraler Verhandlungsführung, wenn die Entwicklungsländer erneut ausgeplündert und ihrer Rechte beraubt werden sollen." Die EU reagierte mit dem Gegenvorwurf, China verhindere in Kopenhagen die Diskussion zentraler Klimaprobleme. Der schwedische EU-Chefverhandler Anders Turesson sagte, man sei "enttäuscht, dass es hier nicht erlaubt ist, über zentrale Fragen wie global geltende Verpflichtungen auf weniger Kohlendioxid-Emissionen zu diskutieren". Konkret nannte er die Verweigerung von Diskussionen mit den USA und der EU über entsprechende Verpflichtungen auch für Entwicklungsländer. Aber auch die Entwicklungs- und Schwellenländer ziehen beim Klimagipfel nicht unbedingt an einen Strang: Das Plenum wurde gestern vorrübergehend unterbrochen, weil der kleine Inselstaat Tuvalu darauf bestand, dass das Abkommen von Kopenhagen verbindlich sein müsse. Indien und China sind dagegen. "Das Skandalöse aber dabei war, dass die EU und die USA sich gar nicht dazu geäußert haben", kritisierte der Leiter internationale Klimapolitik bei Greenpeace, Martin Kaiser (Foto: dpa). dpa