| 00:34 Uhr

ARD und ZDF steigen bei der Tour aus dem Sattel

Köln/Mainz. ARD und ZDF haben nach den jüngsten Dopingfällen der Gerolsteiner-Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl die Reißleine gezogen und beenden die Live-Berichterstattung von der Frankreich-Rundfahrt. "Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert Von dpa-Mitarbeiter Peter Hübner

Köln/Mainz. ARD und ZDF haben nach den jüngsten Dopingfällen der Gerolsteiner-Radprofis Stefan Schumacher und Bernhard Kohl die Reißleine gezogen und beenden die Live-Berichterstattung von der Frankreich-Rundfahrt. "Der sportliche Wert der Tour de France hat sich aufgrund der gehäuften Dopingfälle und der daraus gewonnenen Erkenntnisse erheblich reduziert. Damit ist auch der programmliche Wert stark gesunken", sagte der ARD-Vorsitzende Fritz Raff nach einer Sitzung der Intendanten seiner Sendeanstalt in Köln. Das ZDF schloss sich dieser Haltung erwartungsgemäß an. "Wir werden die Tour nicht ohne die ARD übertragen", versicherte Chefredakteur Nikolaus Brender.Als weitere Konsequenz aus der nicht abebbenden Doping-Welle wurde gestern die Deutschland-Tour für 2009 abgesagt. Zu diesem Schritt entschlossen sich die Gesellschafter der Deutschland-Tour GmbH, der Bund Deutscher Radfahrer (BDR) und die Upsolut Event GmbH. "Wir bedauern es, diese Entscheidung treffen zu müssen", sagte Kai Rapp, Geschäftsführer des Veranstalters. Aufgrund der aktuellen Entwicklung im Profi-Radsport sehe man sich aber nicht mehr in der Lage, die Veranstaltung erfolgreich zu vermarkten und damit zu finanzieren. "Die Intendanten sind stinkwütend, zumal Kohl zu der neuen und sauberen Generation im Radsport gezählt wurde", erläuterte ARD-Sprecher Peter Meyer den "einstimmigen Beschluss" der neun Intendanten. Über die rechtlichen Konsequenzen wollen ARD und ZDF mit der Europäischen Rundfunk Union sprechen. Beide Sender wollen aber in Kurzberichten in ihren Nachrichten- und Sportsendungen weiter über die bedeutendste Radsport-Veranstaltung der Welt berichten. Der Sender Eurosport will dagegen auch weiter Live-Bilder von der Tour de France senden.



HintergrundMit Kritik an der Entscheidung meldete sich Ex-Profi Jan Ullrich zu Wort. "ARD und ZDF haben die fetten Jahre abgegrast. Jetzt, wo der Radsport die Medien braucht, hören sie auf. Dabei wollen die Fans die Tour doch sehen", sagte der Tour-Sieger von 1997 der "Bild"-Zeitung (Freitagsausgabe). Ullrich war vor zwei Jahren wegen der angeblichen Verstrickung in den Dopingfall um den spanischen Mediziner Eufemiano Fuentes von der Tour ausgeschlossen und vom T-Mobile-Team suspendiert worden. Der gebürtige Rostocker hat Doping immer bestritten. dpa