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Die WM im deutschen Fernsehen
ARD und ZDF sitzen diesmal nicht in der ersten Reihe

Das WM-Studio in Baden-Baden nutzen ARD und ZDF gemeinsam.
Das WM-Studio in Baden-Baden nutzen ARD und ZDF gemeinsam. FOTO: dpa / Uli Deck
Baden-Baden. Der Kurort Baden-Baden ist ausgesprochen beliebt bei Russen. Das ist aber nicht der Grund, warum ARD und ZDF zum ersten Mal nicht am Austragungsort der Fußball-WM über das Großereignis berichten, sondern von einem nationalen Sendezentrum in dem mondänen Schwarzwald-Städtchen aus.

Von heute an gehen sie bis zum 15. Juli mit der WM in Russland auf Sendung, mehr als 2400 Kilometer von Moskau entfernt, im National Broadcasting Center in Baden-Baden. Der Südwestrundfunk (SWR) hat an seinem Stammsitz so große Studios, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender zusammentun und so erhebliche Kosten sparen können – was viele Stimmen seit langem fordern.

Weil die Preise für Glasfaserkabel anders als früher bezahlbar sind, verzichten ARD und ZDF diesmal auf das Anmieten teurer Flächen im Sendezentrum in Moskau. Die Bilder werden stattdessen aus dem internationalen Sendezentrum in Moskau in den Schwarzwald übertragen. Thomas Wehrle, ARD-Projektleiter für die Fußball-WM-Berichterstattung, sieht einen Vorteil der Steuerung aus Baden-Baden auch darin, dass die Sender so nicht nur räumliche Distanz haben zum Land und zum Weltverband Fifa, sondern auch journalistischen Abstand. Die politische Lage in Russland und Themen wie Korruption, Hooligan- und Sicherheitsfragen sollen ebenfalls Teil der Berichterstattung sein. „Wir werden bei einer Propaganda-Show von Präsident Putin nicht mitspielen“, sagt ZDF-Sportchef Thomas Fuhrmann.

Eine Herausforderung ist allerdings, dass Planung und Kommunikation nun viel aufwendiger sind. Mit elf Spielorten in vier russischen Zeitzonen ist diese WM aber ohnehin etwas Besonderes. Um flexibel zu sein, haben die Sender weiter eigene Reporter, Moderatoren und Kameras in den Stadien. Auch das „Morgenmagazin“ sendet aus Russland. Trotzdem: Die neue Methode bringe Einsparungen in Millionenhöhe, sagen die Verantwortlichen.