| 23:52 Uhr

Mehrere Festnahmen
Anschlag auf Halbmarathon in Berlin verhindert

Berlin. Mehrere Männer sollen geplant haben, Teilnehmer und Zuschauer mit Messern anzugreifen.

Sorge vor einem Terroranschlag während des Halbmarathons in der Hauptstadt: Die Polizei hat gestern in Berlin sechs mutmaßliche Islamisten festgenommen und mehrere Wohnungen durchsucht. Vor dem Halbmarathon habe es „vereinzelte Hinweise darauf gegeben, dass die Festgenommenen im Alter von 18 bis 21 Jahren an der Vorbereitung eines Verbrechens im Zusammenhang mit dieser Veranstaltung beteiligt gewesen sein könnten“, erklärte die Polizei. Wegen dieser Hinweise und der noch nicht vollständig geklärten Hintergründe der Amokfahrt von Münster hätten sich die Behörden zum Handeln entschlossen.

Am Abend betonte die Polizei, man habe keine konkreten Hinweise, dass das Sportereignis Ziel eines Anschlags gewesen sein könnte. „Für die Läufer und Teilnehmer und das Personal bestand zu keiner Zeit eine Gefahr“, sagte Polizeisprecher Thomas Neuendorf. Die Polizei sei im Vorfeld des Halbmarathons „besonders aufmerksam gewesen“. Die Durchsuchungen hätten sich auf Personen bezogen, „die wir dem islamistisch-terroristischen Bereich zurechnen“. Die beschlagnahmten Beweismittel, darunter Handys und Computer, würden ausgewertet.

Auf Twitter teilte die Polizei mit, dass der Staatsschutz gemeinsam mit der Generalstaatsanwaltschaft Wohnungen und Fahrzeuge im Stadtgebiet durchsucht habe. Der Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, wollte auf Anfrage nicht bestätigen, dass es sich um einen geplanten Terroranschlag gehandelt haben könnte. Auch zu einer möglichen Verbindung der Verdächtigen zum Weihnachtsmarkt-Attentäter Anis Amri äußerte er sich nicht.



Die Zeitung „Die Welt“ hatte zuvor berichtet, die Polizei habe einen Anschlag während des Halbmarathons vereitelt, zu dem gestern nach Angaben der Organisatoren 36 000 Läufer und 250 000 Zuschauer in die Berliner Innenstadt gekommen waren. Spezialkräfte hätten vier Männer festgenommen, darunter einen Hauptverdächtigen. Er soll dem Blatt zufolge geplant haben, mit Messern Zuschauer und Teilnehmer der Sportveranstaltung zu töten. Der Verdächtige soll zum privaten Umfeld des Terroristen Anis Amri gehört haben, der den Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt Ende 2016 verübt hatte.

Nach „Tagesspiegel“-Informationen war der Hauptverdächtige zuvor zwei Wochen dauerobserviert worden. Er sei den Behörden aus den Nachermittlungen zum Amri-Anschlag in Berlin bekannt gewesen, zitierte das Blatt aus Sicherheitskreisen. Zuletzt habe es offenbar einen Hinweis von einem ausländischen Geheimdienst gegeben, wonach der Mann einen Anschlag auf den Halbmarathon plane. Deshalb hätten die Sicherheitskräfte gestern eingegriffen.

Der Halbmarathon ging nach Angaben der Veranstalter ohne außergewöhnliche Vorfälle zu Ende.

(dpa)