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Seehofer
Alles Heimat, oder was?

FOTO: Robby Lorenz / SZ
Von Iris Neu-Michalik

Zweifellos dürfte sich so mancher  nach Sinn und Zweck des Seehoferschen „Heimatministeriums“ gefragt haben, von dem vor allem eines gewiss ist, nämlich dass es ein bayerischer Exportartikel ist. Wenn dieses Ressort aber dazu dient, explizit den Fokus auf die Wiederbelebung des ländlichen Raums zu legen, auf strukturschwache Kommunen und auf die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, dann kann es einen wichtigen Beitrag zur Schaffung gleichwertiger Lebensverhältnisse in Deutschland leisten. Muss es dafür aber „Heimat“-Ministerium heißen? Ein wenig Unbehagen bleibt angesichts Seehofers stetem Bestreben, die offene rechte Flanke der Union zu schließen. Dort und unter Anhängern von AfD und Pegida dient „Heimat“ vor allem der Abgrenzung – der nationalen Selbstbehauptung gegenüber Euro und Europa, Andersgläubigen und Asylsuchenden. Gleichwohl ist der Begriff Heimat bei den Deutschen mehrheitlich positiv besetzt. Als geografischer, sozial-familiärer Fixpunkt und Anker bietet Heimat Halt und bezieht alle in die Gemeinschaft ein. So verstanden und gefühlt, hat Heimat Verbindendes statt Trennendes und wirkt damit Ängsten vor Überforderung in einer globalisierten Welt entgegen.