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Kriminalität
In der Eifel fühlen sich auch Mafiosi wohl

Trier. Wo es die Mitglieder italienischer Verbrecherorganisationen in Südwestdeutschland hinzieht, zeigen spektakuläre Festnahmen der vergangenen Jahre. Von Rolf Seydewitz

Anfang Dezember vergangenen Jahres klickten bei einer konzertierten Aktion gegen die italienische Mafia in mehreren europäischen Ländern die Handschellen, darunter auch im benachbarten Luxemburg. Die Ermittler nahmen im Süden des Großherzogtums zwei 23 und 39 Jahre alte Männer fest, gegen die ein europäischer Haftbefehl vorlag. Das Duo soll zur ’Ndrangheta gehören, eine der mächtigsten und einflussreichsten italienischen Mafia-Organisationen.

Sie dominiert den Drogenschmuggel nach Europa und ist auch in Deutschland aktiv.

Das BKA (Bundeskriminalamt) schätzt die Zahl der in Deutschland lebenden Mafia-Mitglieder auf rund 600. Die `Ndrangheta sei die zahlen- und einflussstärkste, heißt es, aber auch die Cosa Nostra und Mafia-Organisationen aus dem Raum Neapel sollen in Deutschland aktiv sein.



Das Mainzer LKA (Landeskriminalamt) ordnet derzeit 27 in Rheinland-Pfalz lebende Italiener der Mafia zu. Das geht aus einer Antwort des Innenministeriums an den CDU-Landtagsabgeordneten Matthias Lammert hervor. Dabei schränkt Innen-Staatssekretär Randolf Stich ein, dass „nur zu wenigen dieser Personen strafrechtliche Erkenntnisse vorliegen“.

Laut dem unserer Zeitungsgruppe vorliegenden Schreiben des Ministeriums leben Mafiosi auch in den beiden Eifelkreisen. Die Stadt Trier und die Kreise Trier-Saarburg sowie Bernkastel-Wittlich sind nicht aufgeführt. Um wie viele Personen es sich handelt, wird vom Ministerium nicht erwähnt.

Vor Ort scheinen die Behörden nichts von einer mutmaßlichen Mafia-Zugehörigkeit von im Kreis lebenden Italienern zu wissen. Das erfuhr unsere Zeitungsgruppe aus gut unterrichteten Kreisen.

Nach Angaben des Innenministeriums reicht die bloße ­Mitgliedschaft in der Mafia allein noch nicht aus, um die betreffenden Personen auszuweisen. Anders sieht es hingegen aus, wenn ihnen Straftaten nachgewiesen werden können. So gab es in der Vergangenheit in Rheinland-Pfalz bereits Strafverfahren gegen Mafiosi wegen Gewalt-, Betrugs- und Drogendelikten sowie wegen Brandstiftung.

Nach Angaben von Innen-Staatssekretär Randolf Stich wird aktuell in Rheinland-Pfalz nur gegen einen einzelnen Mafioso ermittelt – und zwar wegen eines Verkehrsdelikts.

Ob von den in Rheinland-Pfalz lebenden Mafiosi jemand Arbeitslosengeld, Wohngeld oder andere Sozialleistungen bekommt, ist dem Landeskriminalamt nach Angaben des Innen-Staatssekretärs indes nicht bekannt.

CDU-Innenexperte Matthias Lammert forderte die Ampel-Landesregierung im Gespräch mit unserer Zeitungsgruppe auf, das Thema italienische Mafia angesichts der übrigen Kriminalität nicht aus den Augen zu verlieren. Zwar stagnierten die Zahlen in Rheinland-Pfalz. Doch dadurch bestehe auch die Gefahr, „dass man sich daran gewöhnt“, warnte der CDU-Landtagsabgeordnete.

Im Südwesten Deutschlands gibt es immer mal wieder spektakuläre Aktionen gegen die Mafia. Vor sechs Jahren wurden in Rheinland-Pfalz und in Hessen 17 Wohnungen und Geschäftsräume von mutmaßlichen Mitgliedern der italienischen `Ndrangheta durchsucht.

Fünf Verdächtige im Alter zwischen 22 und 55 Jahren wurden festgenommen, reichlich Kokain, Bargeld, Waffen, Munition und Fälscherutensilien sichergestellt.

Bei der europaweiten Razzia im Dezember wurden in Deutschland mindestens 14 Personen festgenommen, über 65 Geschäftsräume und Wohnungen wurden durchsucht.

Die Ermittler waren den mutmaßlichen Mafia-Mitgliedern durch den Fund von massenweise Kokain in einem präparierten Pferdetransporter auf die Schliche gekommen.

Auch aus dem Saarland gibt es immer mal wieder Mafia-Meldungen. Anfang März vergangenen Jahres etwa wurde dort ein 31-jähriger Italiener in der Saarbrücker Innenstadt von Spezialeinheiten der Polizei überwältigt (wir berichteten). Der Festgenomme soll stellvertretender Chef eines `Ndrangheta-Clans und selbst an Erpressungs- und Rauschgiftdelikten beteiligt gewesen sein.