| 21:10 Uhr

2. Fußball-Bundesliga
Zwischen Befreiungsschlag und Skepsis

 Jeff Strasser jubelt – der Sieg gegen Greuther Fürth war nicht nur ein perfekter Einstand für ihn als Trainer des 1. FC Kaiserslautern, sondern auch ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen den Abstieg aus der 2. Liga.
Jeff Strasser jubelt – der Sieg gegen Greuther Fürth war nicht nur ein perfekter Einstand für ihn als Trainer des 1. FC Kaiserslautern, sondern auch ein wichtiger Erfolg im Kampf gegen den Abstieg aus der 2. Liga. FOTO: dpa / Thorsten Wagner
Kaiserslautern. Der 1. FC Kaiserslautern hat mit Neu-Trainer Jeff Strasser im Abstiegskampf der 2. Bundesliga ein Lebenszeichen gesendet.

Neun Minuten. Mehr brauchte Sebastian Andersson nicht, um den Betzenberg mit einem Hattrick wiederzubeleben. „Ein überwältigendes Gefühl“, sagte der schwedische Stürmer des 1. FC Kaiserslautern nach dem 3:0 (0:0)-Sieg gegen das neue Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth. Der FCK verließ dank des Neuzugangs Andersson am Freitagabend den letzten Tabellenplatz der 2. Fußball-Bundesliga, doch er hat noch einen weiten Weg vor sich.

So sieht es auch Jeff Strasser. „Wir werden jetzt keine Freudentänze aufführen, sondern wissen, dass wir noch viel Arbeit vor uns haben“, sagte der langjährige FCK-Verteidiger nach seinem Debüt auf der Trainerbank der Roten Teufel: „Die Mannschaft hat sich heute belohnt. Sie wollte die Last ablegen. Das hat man gemerkt.“ Tatsächlich sendeten die Lauterer endlich mal ein echtes Lebenszeichen im Kampf um den Klassenverbleib. Zuvor vier Niederlagen in Folge, darunter das ernüchternde 0:5 vor einer Woche bei Union Berlin: Die einst so stolzen Pfälzer taumelten schier unaufhaltsam der 3. Liga entgegen. Die Entlassung des erfolglosen Norbert Meier war logisch, die Hoffnung auf Besserung allerdings nicht gerade groß.

Doch Strasser, der während seiner aktiven Zeit 106 Spiele für den FCK absolviert hatte, setzte als einstiger Publikumsliebling gleich wieder auf den Rückhalt der Fans. Der Luxemburger hatte sich vor dem Spiel „bedingungslose Unterstützung“ gewünscht und versprochen: „Das wird die Mannschaft den Fans auf dem Platz zurückzahlen.“ Strasser sollte recht behalten.



Erstmals in dieser Saison blieben die Roten Teufel ohne Gegentor, und der Neun-Minuten-Hattrick (71., 74. und 80. Minute) von Andersson verwandelte das Fritz-Walter-Stadion wieder in ein Tollhaus. Sofern man das bei lediglich 19 300 Zuschauern behaupten kann. Obwohl der FCK vor der so wichtigen Partie mit allen Mitteln die Fans ins Stadion gelockt hatte (freier Eintritt für alle, die ein Jeff-Strasser-Trikot von früher trugen, sowie insgesamt verbilligte Ticketpreise), war die Skepsis nach wie vor groß. Und sie wird es wohl auch trotz des Befreiungsschlages gegen Fürth vorerst noch bleiben. „Ein großer Dank geht an die Ränge, an die Zuschauer für ihre Unterstützung“, sagte Verteidiger Benjamin Kessel dennoch in Richtung derer, die gekommen waren.

Strasser und seine Spieler müssen nun dafür sorgen, dass der Premierensieg nicht nur ein Strohfeuer war. Die Spieler brauchen die Fans, die einstige Festung Betzenberg war in der jüngeren Vergangenheit nur ein Schatten ihrer Selbst. Der Zuschauerschnitt halbierte sich von über 42 000 in der letzten Bundesliga-Saison 2011/2012 auf gut 21 000 in der vergangenen Spielzeit. Die Tendenz ist weiter fallend.

Mit „besonderen Abenden“ könnten Fans und Spieler den drohenden Absturz des FCK in der Saison des 20-jährigen Jubiläums seiner Sensations-Meisterschaft noch abwenden. Dazu muss Strasser nun beweisen, dass er nicht nur kurzfristig motivieren, sondern nachhaltig arbeiten kann. Der zweite Schritt dazu könnte am 13. Oktober folgen, dann tritt der FCK beim FC St. Pauli an.