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Ex-Homburger muss in Hamburg gehen
Wolf ersetzt Titz auf dem HSV-Schleudersitz

Ein neuer Trainer mit der Raute auf der Brust: Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann (links) und Sportchef Ralf Becker (rechts) stellten am gestrigen Dienstag Hannes Wolf vor.
Ein neuer Trainer mit der Raute auf der Brust: Der HSV-Vorstandsvorsitzende Bernd Hoffmann (links) und Sportchef Ralf Becker (rechts) stellten am gestrigen Dienstag Hannes Wolf vor. FOTO: dpa / Markus Scholz
Hamburg. Bundesliga-Absteiger Hamburg trennt sich überraschend vom Trainer. Der Ex-Stuttgarter Hannes Wolf übernimmt als 17. Coach seit 2008. sid

„Big Titz“ ist raus, Hannes Wolf übernimmt: Der als großer Hoffnungsträger gestartete Christian Titz ist nach nur 226 Tagen als Trainer des Hamburger SV schon wieder Geschichte. Der 47-Jährige wurde am gestrigen Dienstag mit sofortiger Wirkung von seinen Aufgaben entbunden. Der frühere Stuttgart-Trainer Wolf unterschrieb einen Vertrag bis 2020 und wird heute sein erstes Training leiten.

„Das Feuer ist zu 100 Prozent da. Ich weiß, dass der Weg für den HSV relativ schwer ist. Aber alleine wegen der Bedeutung des HSV musste ich nicht lange überlegen. Das ist eine große Herausforderung, die ich gerne annehme“, sagte der 37-Jährige bei seiner Vorstellung und ergänzte drei Tage vor seinem Debüt auf der HSV-Bank beim Aufsteiger 1. FC Magdeburg: „Wir werden nicht aufsteigen, wenn wir viel reden. Wir müssen viel und hart arbeiten.“

HSV-Sportvorstand Ralf Becker begründete die Entlassung folgendermaßen: „Es war meine absolute Überzeugung, dass wir in dieser Konstellation mit Christian Titz unsere Saisonziele nicht erreichen. Wir sind zu der Erkenntnis gelangt, dass wir leider nicht die angestrebte Entwicklung genommen haben.“ Titz, früher Trainer beim FC Homburg, habe die Entscheidung professionell aufgenommen, verriet Becker, der Wolf als eines der „größten Trainertalente in Deutschland“ bezeichnete. HSV-Boss Bernd Hoffmann sagte, dass er zu „120 Prozent“ zu der Entscheidung seines Sportchefs stehe.



Der Bundesliga-Absteiger ist nach zehn Spieltagen mit 18 Punkten Tabellenfünfter. Der Rückstand zum Relegationsplatz beträgt einen Zähler, zum Tabellenführer 1. FC Köln sind es zwei. In den letzten drei Heimspielen holte der HSV nur zwei Punkte und erzielte dabei kein Tor. Am vergangenen Sonntag kam der Club nicht über ein 0:0 gegen den VfL Bochum hinaus.

Saisonziel der Hamburger, die mit dem teuersten Kader der Liga-Historie (28,5 Millionen Euro Gehaltsetat) angetreten waren, ist der direkte Wiederaufstieg. Weil das nach Ansicht der Club-Bosse aktuell in Gefahr ist, musste mit Titz inklusive Interimslösungen HSV-Trainer Nummer 16 seit 2008 gehen.

Was Jung-Star Jann-Fiete Arp von der Entlassung des bei den Spielern beliebten Titz hält, offenbarte er im sozialen Netzwerk Instagram. Dort postete der Angreifer ein Bild, das ihn beim Handschlag mit dem Trainer zeigt. Darüber sechs fett gedruckte Ausrufezeichen, darunter sind finster dreinblickende Smileys abgebildet. Am Nachmittag hatte der 18-Jährige seinen Post wieder gelöscht. Arp muss trotzdem mit einer Strafe vom Verein rechnen.

Wolf, der den VfB 2017 zurück in die Bundesliga geführt hatte, geht das Himmelfahrtskommando an der Elbe auch mit Humor an. „Hier hört sich das Willkommen fast wie eine Drohung an“, sagte er angesichts der Trainerfluktuation in der Hansestadt. Der 37-Jährige war am 28. Januar beim VfB entlassen worden.

Titz, noch vor wenigen Wochen als „Big Titz“ gefeiert, hatte die HSV-Profis am 12. März von Bernd Hollerbach übernommen. Trotz verbesserter Leistungen konnte der gebürtige Mannheimer den ersten Abstieg des letzten verbliebenen Bundesliga-Gründungsmitglieds nicht verhindern. Einen Vertrag bis 2020 erhielt er im Sommer dennoch, galt er bei Verein und Fans doch als Symbol des Neuanfangs. In Liga zwei gab es nach einem starken Saisonstart samt kurzer Tabellenführung aber zuletzt nur fünf Punkte aus vier Partien, nur zwei der sechs Heimspiele wurden gewonnen.

Schicht im Schacht: Für Christian Titz ist die Zeit als HSV-Trainer seit gestern vorbei.
Schicht im Schacht: Für Christian Titz ist die Zeit als HSV-Trainer seit gestern vorbei. FOTO: dpa / Daniel Bockwoldt