| 23:51 Uhr

1. FC Kaiserslautern
Müller wird zur tragischen Figur

Trotz einer über rund 65 Minuten guten Leistung gegen Fortuna Düsseldorf blieb der 1. FC Kaiserslautern beim 1:3 ohne Punkte. Hier geht Brandon Borrello (li.) in den Zweikampf mit Düsseldorfs Adam Bodzek.
Trotz einer über rund 65 Minuten guten Leistung gegen Fortuna Düsseldorf blieb der 1. FC Kaiserslautern beim 1:3 ohne Punkte. Hier geht Brandon Borrello (li.) in den Zweikampf mit Düsseldorfs Adam Bodzek. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Kaiserslautern. Ungewissheit und Tristesse auf dem Betzenberg: Trainer Strasser fehlt beim 1:3 gegen Düsseldorf, Kaiserslauterns Klassenverbleib wird immer schwieriger. Aber Fortuna-Coach Friedhelm Funkel appelliert an den FCK.

(dpa/red) Ohne Jeff Strasser auf der Trainerbank hat sich die fast aussichtslose Lage des 1. FC Kaiserslautern im Abstiegskampf der 2. Bundesliga weiter zugespitzt. Auf dem Betzenberg ist nach wie vor offen, ob der Cheftrainer überhaupt zurückkehrt. Der 43 Jahre alte Luxemburger verfolgte die 1:3 (0:0)-Niederlage des Tabellenschlusslichts am Samstag gegen Fortuna Düsseldorf nach Clubangaben zuhause vor dem Fernseher. Vorher hatte er sich erstmals seit dem Vorfall von Darmstadt öffentlich geäußert.

Drei Tage nach dem medizinischen Notfall bei Strasser und dem Abbruch der Partie des FCK beim SV Darmstadt 98 schrieb er in einer Botschaft, die der Verein kurz vor dem Anpfiff via Twitter verbreitete: „Ich möchte mich von ganzem Herzen für die vielen Genesungswünsche in den vergangenen Tagen bedanken. Ob von den unglaublichen Fans des FCK, von meinen Trainer-Kollegen, von zahlreichen Vereinen, Verantwortlichen und vielen großen Sportlern: Das hat mich wirklich sehr bewegt.“

Strasser musste am Mittwochabend während der Halbzeitpause des Kellerduells am Böllenfalltor ins Krankenhaus gebracht werden. Ein Herzinfarkt ist mittlerweile auszuschließen. Was genau zu diesem medizinischen Notfall führte, ist aber nach wie vor nicht bekannt.



Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel appellierte mit einer emotionalen Rede an alle Lauterer, die Hoffnung nicht aufzugeben. „Diese Mannschaft, dieser Verein darf nicht aufstecken. Es ist noch alles möglich, es sind noch genügend Spiele. Dafür muss ganz Kaiserslautern zusammenhalten um dieses Ziel, was noch machbar ist, zu erreichen“, sagte der frühere FCK-Stürmer (84 Spiele, 33 Tore) voller Leidenschaft.

Doch die größte sportliche Krise der Vereinsgeschichte – der Rückstand auf den Relegationsplatz beträgt nach diesem Wochenende bereits zehn Zähler – ist nicht die einzige Sorge beim Fritz-Walter-Club. Strasser wurde am Samstag von U-23-Trainer Hans Werner Moser vertreten, doch die Absprache mit dem Ex-Profi galt vorerst nur für diese Partie.

Den Verantwortlichen um den neuen Sportvorstand Martin Bader bleiben nur zwei Optionen: Entweder wird intern bereits mit einer Rückkehr Strassers in den nächsten Tagen geplant. Oder aber die Pfälzer müssen nach nur vier Monaten erneut den Trainermarkt sondieren, sollte die Gesundheit Strassers eine zeitnahe Rückkehr nicht zulassen. In der jetzigen Lage kann es sich der viermalige deutsche Meister kaum erlauben, länger mit einer Interimslösung zu arbeiten.

Zur tragischen Figur wurde Marius Müller. Nachdem Kapitän Christoph Moritz den FCK an seinem 28. Geburtstag per Elfmeter in Führung brachte (48.), nahm das Unheil drei Minuten später seinen Lauf: Nach einem absolut deplatzierten Ellbogenstoß gegen Kaan Ayhan sah Lauterns Keeper zunächst die Gelbe Karte. Als der sonst sichere Rückhalt kurz darauf Genki Haraguchi im Strafraum von den Beinen holte, war der Arbeitstag des 24-Jährigen beendet. Den fälligen Strafstoß verwandelte Haraguchi und leitete in der 64. Minute die Wende gegen zehn Lauterer ein. Benito Raman (78.) und Lukas Schmitz (90.) besiegelten den Erfolg des Aufstiegsaspiranten.

„Das sind Entscheidungen, die du im Bruchteil einer Sekunde triffst“, sagte der FCK-Torhüter. Konnte Müller für seine zweite Gelbe Karte noch Verständnis aufbringen, ärgerte ihn allerdings die erste Verwarnung. „Als Torhüter hast du heute keine Rechte mehr“, verteidigte sich Müller, der schon auf dem Spielfeld mit Schiedsrichter Tobias Stieler lange diskutiert hatte.

„Wenn du so weit unten drin stehst, kommt alles zusammen“, sagte Winterneuzugang Ruben Jenssen, der wie die meisten seiner Kollegen mit der Leistung bis zum Ausgleichstreffer zufrieden war. Auch Sportdirektor Boris Notzon schloss sich dem an: „Die Partie war von Kampf Wille und Leidenschaft geprägt. Und auch spielerisch konnten wir mithalten. Es nützt uns aber alles nicht, wir brauchen jetzt Punkte.“ Drei Tage bleiben der sportlichen Führung vor Transferschluss noch, um die gewünschten zwei weiteren Neuzugänge zu verpflichten. Doch die ungewisse Situation um Strasser und die miserable Aussicht auf den Klassenerhalt erschweren das Vorhaben.

Laut dem Sender „Sky“ soll heute der Termin für die abgebrochene Partie zwischen Darmstadt 98 und dem 1. FC Kaiserslautern bekannt gegeben werden. Wie „Sky“ gestern berichtete, müssten noch letzte Details mit der Stadt Darmstadt und den beiden Clubs geklärt werden.

FCK-Torhüter Marius Müller verlässt nach der Gelb-Roten Karte das Spielfeld.
FCK-Torhüter Marius Müller verlässt nach der Gelb-Roten Karte das Spielfeld. FOTO: Uwe Anspach / dpa