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HSV gegen St. Pauli
Das ersehnte Derby elektrisiert die Hansestadt

Beim letzten Aufeinandertreffen am 16. Februar 2011 schoss Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (Zweiter von links) den FC St. Pauli zum Sieg.
Beim letzten Aufeinandertreffen am 16. Februar 2011 schoss Ex-Nationalspieler Gerald Asamoah (Zweiter von links) den FC St. Pauli zum Sieg. FOTO: dpa / Marcus Brandt
Hamburg. Der Hamburger SV trifft in der 2. Fußball-Bundesliga auf den Erzrivalen FC St. Pauli. Die Polizei ist in Alarmbereitschaft. sid

Für die Clubs geht es um ganz viel Prestige, für die Fans um die Vorherrschaft an der Elbe – und für HSV-Trainer Christian Titz womöglich um weit mehr: Hamburg fiebert seinem 100. Stadtderby entgegen. „Das ist für die Menschen das Spiel des Jahres“, sagt Titz. Dass es im Duell zwischen den Rivalen Hamburger SV und FC St. Pauli erstmals nur in der 2. Liga um Punkte geht? Völlig egal!

57 000 Zuschauer werden im seit Wochen ausverkauften Volksparkstadion dabei sein, weitere 15 000 Fans drücken beim Public Viewing im ebenfalls ausverkauften Millerntorstadion auf dem Kiez die Daumen. Die Plätze in den Bars der Stadt sind seit Wochen reserviert.

Der Hype um das Duell an diesem Sonntag (13.30 Uhr/Sky) ist verständlich, 2783 Tage hat es die Partie zwischen den Rothosen und den Kiezkickern nicht mehr gegeben. „Ganz Hamburg wartet auf das Spiel“, sagt HSV-Torjäger Pierre-Michel Lasogga, der den Rivalen unbedingt auf Distanz halten will.



Klar ist aber auch: Verliert der HSV wie beim letzten Aufeinandertreffen am 16. Februar 2011 (0:1 im Volksparkstadion durch ein Tor von Gerald Asamoah), damals übrigens noch in der Bundesliga, zieht St. Pauli in der Tabelle am großen Kontrahenten vorbei – und der zuletzt scharfe Gegenwind für HSV-Trainer Titz dürfte weiter auffrischen. Ein deutlich verbesserter Auftritt beim 0:0 am Donnerstagabend in Fürth konnte die Wogen der historischen 0:5-Heimpleite gegen Jahn Regensburg aber nicht vollständig glätten.

St. Pauli kommt das Derby gerade recht. Noch vor einer Woche mit dem Rücken zur Wand, strotzt der Kiez-Club nun vor Energie. „Es ist ein gutes Gefühl, mit zwei Siegen in solch ein Spiel zu gehen. Jetzt geht’s volle Kanne ins Derby“, sagt Trainer Markus Kauczinski: „Ich verspreche, dass es ein heißes Spiel wird von beiden Seiten. Jeder weiß, was das bedeutet. Wir werden brennen.“

Das tun auch die Fans. Ganze 300 Sekunden hat der Verkauf der Auswärtstickets für das Spiel im Volksparkstadion gedauert – dann waren sämtliche Karten für die Pauli-Fans vergriffen. Beim HSV brach beim Kartenvorverkauf für seine eigenen Mitglieder der Server zeitweise zusammen, der Club entschuldigte sich für die Panne.

Höchste Alarmstufe gilt am Sonntag rund um das Stadion, die Hamburger Polizei macht sich auf das Schlimmste gefasst. Wasserwerfer, Sprengstoff-Spürhunde, Pferdestaffel, Hubschrauber: Mit einem Großaufgebot soll verhindert werden, dass die Lage mit den bis zu 1000 erwarteten gewaltbereiten Fans eskaliert.

Die Sicherheitsbehörden rechnen damit, dass Krawall-Touristen sogar aus dem Ausland anreisen könnten. „Ich wünsche mir von den Zuschauern, dass der Fußball im Fokus steht und sie ihre Mannschaft unterstützen“, sagt Titz. Solch ein Derby könne „doch auch etwas Schönes sein. Ich hoffe nicht, dass es zu irgendwelchen hässlichen Auseinandersetzungen kommt, die in die Gewalt-Richtung gehen, das hat im Fußball nichts zu suchen.“