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1. FC Kaiserslautern
Gries „spürt kein Vertrauen“ und muss gehen

Erst im April wäre Thomas Gries wenigstens zwei Jahre als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern im Amt gewesen.
Erst im April wäre Thomas Gries wenigstens zwei Jahre als Vorstandsvorsitzender des 1. FC Kaiserslautern im Amt gewesen. FOTO: Uwe Anspach / dpa
Kaiserslautern. Die sportliche Krise beim 1. FC Kaiserslautern ist längst auch eine Führungskrise. Jetzt braucht der Fritz-Walter-Club erstmal einen neuen Vorstandschef. Im Gespräch ist wieder Ex-Schiedsrichter Markus Merk.

(dpa/red) Beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Kaiserslautern kehrt auch im neuen Jahr keine Ruhe ein. Das Tabellenschlusslicht der 2. Fußball-Bundesliga hat sich, wie erwartet, mit sofortiger Wirkung von seinem Vorstandsvorsitzenden Thomas Gries getrennt. Die Querelen in der Führungsebene der Pfälzer nehmen kein Ende, von der angepeilten Kontinuität auf den entscheidenden Posten des Vereines ist nichts zu erkennen.

Mit den Trainern Tayfun Korkut und Norbert Meier sowie Sportdirektor Uwe Stöver verließen bereits drei entscheidende Personen innerhalb von einem Jahr den kriselnden Traditionsclub. Bis eine Nachfolgeregelung im Fall Gries gefunden ist, übernimmt Finanzvorstand Michael Klatt den Posten an der Spitze der Führungsebene. Zudem rückt das Aufsichtsratsmitglied Jürgen Kind kommissarisch und ehrenamtlich in die geforderte Position des zweiten Vorstandes und lässt sein Aufsichtsratsmandat solange ruhen.

„Nach intensiven Gesprächen sind wir übereingekommen, die Zusammenarbeit zu beenden. Bei der Herangehensweise, den Vorgaben und Zielen des Aufsichtsrates waren wir verschiedener Auffassung“, erklärte Aufsichtsratschef Patrick Banf die Trennung von Gries. „Wir wollen die schwierigen anstehenden Aufgaben mit neuem Personal angehen und haben uns daher darauf geeinigt, den Vertrag in beiderseitigem Einverständnis aufzulösen.“



Marketingfachmann Gries, der das Amt an der Vereinsspitze im April 2016 von Stefan Kuntz übernommen hatte, sah sich in letzter Zeit immer größerer Kritik an seiner Arbeit ausgesetzt. Seinen bei Amtsantritt gesetzten Zielen, neue Sponsoren zu akquirieren und einen finanzstarken Investor für die Pfälzer zu finden, konnte der 55-Jährige keine Taten folgen lassen. Mit der sportlichen Talfahrt in der abgelaufenen Hinrunde der 2. Liga spitzte sich die Situation weiter zu. „Die vor uns liegenden Aufgaben bedingen gerade jetzt ein unbelastetes Führungs-Team, dem man das volle und nachhaltige Vertrauen schenkt, die richtigen Weichenstellungen für die Zukunft des FCK zu treffen“, sagte Gries. Dieses Vertrauen habe er „bei dem neu gewählten Aufsichtsrat nicht verspürt“, daher mache er den Weg frei für eine personelle und strukturelle Erneuerung des Vorstandes.

„Wir respektieren getroffene Entscheidungen“, meinte Klatt zum Abgang Gries‘. „Ich möchte es nicht kommentieren, das würde uns defokussieren. Wir müssen nach vorne schauen.“ Seinen Aufstieg zum Vorstandsvorsitzenden sieht er rein pragmatisch: „Satzungsmäßig ist es erforderlich, dass wir einen Vorstandsvorsitzenden haben. Ich werde jetzt diese Aufgabe ausführen, bis der Aufsichtsrat dieses Thema neu entscheidet.“ Die Suche nach einem Nachfolger Gries‘ bearbeite er „sehr eng mit Herrn Banf“. Bei der Neugestaltung des Vorstandes soll nun wieder mehr sportliche Kompetenz in die Führungsebene einziehen.

Nach dem Ende der Ära Kuntz war zwar geplant, den Posten eines Sportvorstandes neu zu besetzen. Doch der ehemalige Aufsichtsrat um Nikolai Riesenkampff und der Vorstand standen einer Übereinkunft mehrmals im Weg. Im vergangenen Sommer scheiterten die Verhandlungen mit FCK-Ikone Hans-Peter Briegel. Die zeitweise peinliche Nachfolgersuche für Sportdirektor Stöver endete dann mit der Beförderung von Chefscout Boris Notzon.

Seit der Aufsichtsrat bei der Jahreshauptversammlung am 3. Dezember neu gewählt wurde und vier von fünf Mitglieder neu ins höchste Vereinsgremium eingezogen sind, weht aber ein neuer Wind rund um den Betzenberg. Mit dem Werbefachmann Patrick Banf an der Spitze forcierte der Aufsichtsrat das Thema des Sportvorstandes erneut und will im optimalen Fall in den kommenden Wochen einen Nachfolger präsentieren.

Ein möglicher Kandidat beim viermaligen deutschen Meister ist Ex-Fifa-Schiedsrichter Markus Merk. Der gebürtige Kaiserslauterer verhandelte bereits Anfang 2016 mit den Pfälzern, überwarf sich aber letztlich mit Riesenkampff und kritisierte diesen anschließend scharf. „Ich habe klar gesagt: Ich mache nicht den Grüßonkel. Mich gibt es ganz oder gar nicht“, sagte Merk damals. Zuletzt hatte man ihm einen Beratervertrag auf Honorarbasis angeboten. Unter dem neuen Aufsichtsrat kommt für den 55-Jährigen ein Engagement bei seinem „Herzensverein“ aber wohl wieder in Frage.