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1. FC Kaiserslautern
Frontzeck soll für Strasser einspringen

Michael Frontzeck wird nach der Erkrankung von Jeff Strasser wohl der sechste FCK-Trainer in der laufenden Saison.  Foto: Steffen/dpa
Michael Frontzeck wird nach der Erkrankung von Jeff Strasser wohl der sechste FCK-Trainer in der laufenden Saison. Foto: Steffen/dpa FOTO: Peter Steffen / picture alliance / dpa
Kaiserslautern. Martin Bader tritt heute seinen Posten als Sportvorstand des 1. FC Kaiserslautern an – mit einem Schreibtisch voller Probleme.

(sid/red) Wenn Martin Bader heute offiziell seinen Posten beim 1. FC Kaiserslautern antritt, türmt sich auf seinem Schreibtisch bereits die Arbeit. Trainer Jeff Strasser wird wegen Herzproblemen wochenlang ausfallen und muss wohl dauerhaft ersetzt werden, der Streit um die Stadionmiete schwelt, der Kampf gegen den Abstieg aus der 2. Liga scheint aussichtslos, die Zukunft des Clubs ist völlig unklar. Der neue starke Mann an der Spitze des einst so ruhmreichen FCK hat ein Himmelfahrtskommando übernommen.

„Ich kenne die lange und erfolgreiche Historie des Vereins und weiß, welche Begeisterung der FCK in der Region hervorrufen kann“, begründete der neue Sportvorstand sein Engagement bei den Pfälzern. Doch wenn in den kommenden Wochen kein mittleres Fußball-Wunder geschieht, wird der viermalige Meister und zweimalige DFB-Pokalsieger ausgerechnet zum 20. Jubiläum seines sensationellen Titelgewinns als Aufsteiger vor den Trümmern seiner Existenz stehen.

Ob die chronisch klammen Roten Teufel die 3. Liga stemmen können, ist nach wie vor ungewiss. Der Absturz des abgeschlagenen Zweitliga-Schlusslichts in die Regionalliga droht. Dass sich der 49 Jahre alte Bader dies antut, gilt als unwahrscheinlich – sein Vertrag gilt nur für die 2. und 3. Liga.



Bader muss heute aber nicht nur diese Frage beantworten. Die drängendste Frage vor dem nächsten Spiel am Sonntag bei Eintracht Braunschweig (13.30 Uhr/Sky) ist die nach dem Mann an der Seitenlinie. Wie der FCK gestern bekannt gab, wurden bei Strasser nach eingehenden medizinischen Untersuchungen vorübergehende Herzrhythmusstörungen in Zusammenhang mit einer verschleppten Grippe festgestellt. Dem Luxemburger werden vier bis sechs Wochen Pause empfohlen – im tiefsten Abstiegskampf kann es sich Lautern aber nicht leisten, auf seine Genesung zu warten.

„Das ist eine schwierige Situation für mich. Ich würde am liebsten schon heute wieder trainieren, aber ich muss auf die Ärzte hören und akzeptieren, dass dies derzeit nicht vernünftig ist. Das ist nicht einfach für mich, schließlich bedeutet mir der FCK und diese Aufgabe sehr viel und ich bedauere es sehr, dem FCK in den nächsten Wochen nicht helfen zu können. Aber ich habe auch eine große Verantwortung gegenüber meiner Frau, meinen Kindern und meiner Gesundheit. Erfreulich ist, dass die Ärzte sehr zuversichtlich sind, dass ich nach einigen Wochen wieder vollständig genesen bin“, teilte Strasser gestern mit.

Wohl nicht von ungefähr gab der Verein bekannt, dass er „zeitnah“ über die künftige Besetzung der Trainerposition informieren wird. Nach übereinstimmenden Medien-Informationen soll Michael Frontzeck (53), der mit Bader einst bei Hannover 96 zusammenarbeitete, heute als neuer Cheftrainer vorgestellt werden. Vom FCK gab es zunächst keine Bestätigung. Gestern bereitete Interimscoach Hans Werner Moser die Mannschaft auf die Partie in Braunschweig vor.

Strasser ist mit Frontzeck, den er noch aus gemeinsamen Tagen bei Borussia Mönchengladbach kennt wohl einverstanden. 2002 und 2003 war Strasser dort Spieler, Frontzeck Co-Trainer. Nach Norbert Meier, den Interims-Übungsleitern Alexander Bugera/Manfred Paula, Strasser und Hans Werner Moser ist Frontzeck dann bereits der sechste Lauterer Trainer in dieser Saison.

Mit einer Groß-Baustelle abseits des Platzes muss sich die Stadt Kaiserslautern seit Wochen beschäftigen. Da der FCK für die nächste Saison eine Reduzierung der Miete für das Fritz-Walter-Stadion beantragt hat (2,4 Millionen Euro statt der vereinbarten 3,2 Millionen Euro für die 2. Liga, 425 000 Euro für die 3. Liga), droht eine Finanzierungslücke.

Der Vorschlag von Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD), die Grundsteuer B um 65 Prozentpunkte auf die Rekordmarke von 525 Prozent anzuheben, rief in der Bevölkerung einen Sturm der Entrüstung hervor. Nun werden andere Modelle diskutiert – unter anderem ein Solidaritätszuschlag, den die Stadionbesucher entrichten sollen. Das Land wird jedenfalls nicht helfen. „Die Landesregierung hat signalisisert, dass eine finanzielle Hilfe nicht möglich ist – auch mit dem Hinweis darauf, dass ja schon mehrfach geholfen wurde“, sagte der Kaiserslauterer Oberbürgermeister Klaus Weichel (SPD) am Dienstag.

Halil Altintop kehrt elfeinhalb Jahre nach seinem Abschied vom 1. FC Kaiserslautern zurück an den Betzenberg. Der 35 Jahre alte Stürmer kommt vom tschechischen Erstligisten Slavia Prag und unterschrieb einen Vertrag bis Sommer 2019, der ligaunabhängig gilt. Das gab das Schlusslicht der 2. Fußball-Bundesliga gestern bekannt. Der ehemalige türkische Nationalspieler war bereits von 2003 bis 2006 für den FCK auf Torejagd gegangen. Altintops Lebensgefährtin Laura kommt aus Kaiserslautern.

Martin Bader wird heute als Sportvorstand des 1. FC Kaiserslautern vorgestellt.
Martin Bader wird heute als Sportvorstand des 1. FC Kaiserslautern vorgestellt. FOTO: Sebastian Gollnow / dpa